Vorwort
Auch wenn die Broschüre von 2018 der Geschichtswerkstatt Buchheim kein Vorwort hat, möchte ich einige Anmerkungen anführen.
Hierdurch soll die Möglichkeit gegeben werden, auch wenn keine Druckausgaben mehr vorhanden sind , die Texte zu lesen.
Außerdem ist vorgesehen, wenn auf Grund neuerer Erkenntnisse Texte geändert werden müssen, die Änderungen auch vorzunehmen. Dies wird dann im Text mit [eckigen Klammen] vermerkt.
Die Texte, die von Hans Joachim Koßmann sind mit HJK gekennzeichnet, die von Dr. Gert Tröger mit GT und die von Dr. Christian Eder mit CE verfassten Beiträge sind freigegeben
Jeder Mitarbeiter der Geschichtswerkstatt Buchheim ist für seinen Text verantrwortlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Ein ziemlich altes Dorf
(GT)
2. Die alte Pfarrkirche
(GT)
3. Buchheim um 1844
(GT)
4. Wie Buchheim allmählich größer wurde (GT)
5. Ein Jahrhundert des Wachstums (GT)
6. ACLA – Werke
(HJK)
7. Sankt Mauritius
(GT)
8. Sankt Theresia
(GT)
9. Kreuzkirche
(GT)
10. Neuapostolische Kirche (GT)
11. Schulwesen (GT / GP)
12. Haus Herl mit Mühle und Kapelle (CE)
13. Befestigungen und Grünanlagen (GT)
14. Bäume
(GT)
15. Einige Straßen und Wege (GP)
16. Anfänge der Schienenwege (GP)
Impressum
Es folgen die Abschnitte, die oben mit Autorenkennzeichnung versehen sind und das Impressum.
1. Ein ziemlich altes Dorf
Der heutige Stadtteil Buchheim hat sehr deutliche Grenzen: Im Süden die Stadtautobahn, die zur Zoobrücke
führt, im Westen den Damm der Eisenbahn, im Norden die S-Bahnlinie nach Bergisch Gladbach, welche die A3, die Ostgrenze unseres Viertels, kreuzt. [Wenn man also eine Bahn unter oder über eine
Brücke quert, verlässt bzw. betritt Buchheim.]
Das alte Dorf Buchheim lag nur an der Frankfurter Straße, und zwar ungefähr zwischen den Abzweigungen der
Alten Wipperfürther Straße und der Heidelberger Straße.
In der Eiszeit floss der Rhein in immer neuen Betten durch das Gelände der rechtsrheinischen Stadtteile
von Köln. In den Äckern bei Haus Herl kann man noch Gerölle finden, runde Steine, welche die Strömung des Flusses hierher „gerollt“ und dann liegen gelassen hat. Nach der Eiszeit wuchs hier
Jahrtausende lang dichter Wald. Schon während der Stein- und Bronzezeit lebten Menschen im rechtsrheinischen Köln, zuerst Jäger und Sammler, später Ackerbauern. In Buchheim hat man aber keine
Funde aus diesen Epochen gemacht. Zur Römerzeit war das Rechtsrheinische nur dünn besiedelt. Im 3. Jahrhundert schlossen sich einige der freien Germanenstämme zum Bund der Franken zusammen, der
allmählich das Linksrheinische eroberte und besiedelte. Gregor von Tours erzählt (um 573), dass im Jahre 507 der in Köln residierende Frankenkönig
Sigibert bei einem Jagdausflug in der jenseits des Rhein gelegenen „silva buchonica“ („im Buchen-wald“) ermordet wurde. Irgendwann danach begann man, in dem Wald zu roden und kleine Ansiedlungen
zu gründen. Buchheim gehört sicher zu den ältesten Dörfern – vielleicht war es das erste, das man in dem fast grenzenlosen Forst anlegte und das man deswegen nach den ja überall wachsenden Buchen
benennen konnte. Vielleicht aber heißt der Ort auch nach dem ersten Siedler, der sich hier ein „Heim“ schuf und der den Namen Bucc (Abkürzung von Burkhart) oder ähnlich trug. In anderen Gegenden
gab es auch Orte, die Buchem, Bochum o.ä. hießen. Die älteste Urkunde, in der ganz bestimmt unser Buchheim genannt wird, stammt von 1110, als der Abt von Groß St. Martin in Köln Grundstücke aus
Flittard, Stammheim und „Bochem“ in eine Stiftung einbrachte. Früher als Buchheim, schon um 1025, wird Herl (siehe „Haus Herl“) erwähnt.
In Buchheim gab es einen großen Gutshof, den der jeweilige Kölner Domcustos besaß, und zu diesem
gehörten, als „Hörige“, vermutlich zahlreiche der im Umkreis ansässigen Bauern. 1152 werden solche, die in „Molenheym“ wohnten, erwähnt, als sie Waldstücke zur Rodung erhielten. Die Hörigen
durften nicht wegziehen, mussten einen Teil ihrer Ernte abliefern und Frondienste leisten, d.h. eine gewisse Zahl von Tagen auf den Feldern des Hofes arbeiten. Der Domcustos ließ auch, wie
üblich, eine Kirche bauen (siehe „Die alte Pfarrkirche“). Das Buchheimer Kirchspiel umfasste auch die heutigen Stadtteile Mülheim und Buchforst sowie Teile von Stammheim, Höhenhaus und Höhenberg.
Es war auch ein Gerichtsbezirk, in dem sieben Schöffen unter Vorsitz des Domcustos oder seines Vertreters kleinere Straf- und Zivilsachen entschieden. Als der Buchenforst bis auf einen kleinen
Teil gerodet war, wuchs Buchheim nicht mehr. Mülheim wurde dagegen eine kleine Stadt, in welche um 1400 auch der Pfarrer zog. Die Sonntagsgottesdienste fanden nun in St. Clemens statt.
Das Leben der mittelalterlichen Landbevölkerung war hart. Die schwere Arbeit auf den Feldern verschaffte
nur knapp den Lebensunterhalt, denn eine durchschnittliche Ernte erlaubte es nicht, Vorräte für Jahre mit schlechten Ernten anzulegen. Seuchen, „gegen die kein Kraut gewachsen war“, dezimierten
die Bevölkerung. Die schlimmste war die Pest, die 1347 – 51 durch ganz Europa zog. 1349 soll in Mülheim in wenigen Monaten die Hälfte der Einwohner gestorben sein. Ähnlich ist es vermutlich auch
in Buchheim gegangen. Schlimm waren auch die dauernden Fehden der Adligen und die Kriege der Fürsten, bei denen die Dörfer des Gegners ausgeplündert und niedergebrannt wurden. 1317 wird Buchheim
namentlich unter den Orten aufgeführt, welche von den Erzbischöflichen zerstört wurden, während der Graf von Berg die erzbischöfliche Stadt Zülpich belagerte. Auch in der Frühen Neuzeit änderte
sich in dieser Hinsicht zunächst nicht viel. 1583 wurde im „Truchsessischen Krieg“ die Buchheimer Kirche zerstört. 1638 – im Dreißigjährigen Krieg –
lagerte der kaiserliche General Piccolomini in Holweide. Seine Soldaten überstiegen nachts die dürftigen Befestigungen von Mülheim, wohin sich auch die Buchheimer mit ihrem Vieh und ihren
Vorräten geflüchtet hatten, und plünderten und vergewaltigten.
Um 1776 gab es in Buchheim wieder 48 Wohnhäuser, in denen 294 Menschen lebten, und 22 „Scheuren“ von größeren Bauern. Das größte Anwesen war immer noch der Hof des Domcustos, auf dem über 20
Personen wohnten und arbeiteten. Der Hof lag vermutlich etwa da, wo heute die Bauten von Opel Bauer stehen. Damals gab es hier ein nicht allzu tiefes Tal, ein altes Rheinbett, in welchem ein
großer Bach, die Strunde, floss, und das sich bei der berühmten Eisflut von 1784 noch einmal mit reißendem Wasser füllte. Das Hochwasser zerstörte den Buchheimer Hof und den südlichen Teil von
Mülheim. Im Jahr darauf wurde der Hof von dem Domcustos Graf Öttingen an einem sicheren Platz am südlichen Talrand neu errichtet. Eine lateinische Inschrift verkündete den Vorübergehenden, dass
der Bauherr das Gebäude auch für den Aufenthalt an warmen Tagen im Sommer verwenden wollte. Buchheim als Urlaubsort! Das Anwesen wurde bald darauf säkularisiert, d.h. der Staat nahm es an sich.
Im 2. Weltkrieg wurde es zerstört und das Grundstück danach zur Erweiterung der Acla-Werke benutzt.
An die Zeit, als Mülheim zu dem französischen Vasallenstaat Großherzogtum Berg gehörte, erinnert das
Buchheimer Kreuz. Der Pächter des Hofes hat es zum Dank für ein damals äußerst seltenes Fest, seine Goldene Hochzeit, errichten lassen. Inmitten der fast ununterbrochenen napoleonischen Kriege
hoffte er, dass Gott wieder einmal Frieden geben würde. Diesen Frieden brachte erst der Sieg über Napoleon, nach dem unser Land preußisch wurde und 100 Jahre lang nichts mehr von Kriegen zu
spüren bekam. (G.T.)
2. Die alte Pfarrkirche
Zu dem Gutshof des Domcustos gehörte auch eine Kirche mit einem Friedhof. Sie stand westlich vom Dorf auf
einer Anhöhe über der Strunde. Die Kirchgasse führte dorthin über freies Feld. Der Friedhof besteht immer noch, und die in seiner Mitte stehende Kapelle ist der Überrest der alten Pfarrkirche. Am
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der gewaltige Eisenbahndamm aufgeschüttet und seitdem befindet sich das älteste Bauwerk von Buchheim im Stadtviertel Mülheim.
Wenn man die Friedhofskapelle von Osten betrachtet, kann man sehen, wann die alte Pfarrkirche St.
Mauritius gebaut worden ist und wie breit sie war. Der runde Vorbau in der Mitte, die Apsis, zeigt romanische Rundbogen. Vor der Apsis erhob sich ein hohes Mittelschiff, von dem ein Stück
erhalten ist. Hinter den Mauern rechts und links von der Apsis begannen niedrige Seitenschiffe. Sicher war die Kirche auch länger als die heutige Kapelle. Sie wurde um 1200 gebaut; das schließen
die Fachleute für mittelalterliche Architektur aus der Form der Blattkapitelle, die im Inneren der Apsis vier kleine Säulen bekrönen. Wer erfahren will, wie es vielleicht in der alten
Mauritiuskirche ausgesehen hat, kann nach Herkenrath fahren und durch den romanischen Teil der dortigen Kirche gehen.
Vielleicht stand schon lange vor dem romanischen Bau eine einfachere, möglicherweise aus Fachwerk
errichtete Kirche. Auf dem Friedhof wurden viele Jahrhunderte hindurch nicht nur die Buchheimer Bauern, sondern auch die Mülheimer Bürger beerdigt, denn die Clemenskirche am Rhein war eigentlich
nur eine „Filiale“, eine Tochter- oder Nebenkirche, von Buchheim, auch wenn der Pfarrer seit 1413 in Mülheim wohnte. Auch zu Taufen und Eheschließungen mussten die Mülheimer noch lange zu der
einsamen Pfarrkirche hinauswandern.
1803 wurde St. Clemens Pfarrkirche, auch für die Buchheimer. Die anscheinend schon baufällige
„Mutterkirche“ verfiel und wurde zum größeren Teil abgerissen. 1849 wurden ihre Überreste zur Friedhofskapelle ausgebaut, die man nach dem Ersten Weltkrieg zur Gedenkstätte für die Gefallenen
herrichtete. Damals schuf der Mülheimer Bildhauer Eduard Schmitz jun. die Figuren neben dem Portal. Es sind kriegerisch gerüstete Gestalten, allerdings keine, die sich durch Heldentaten in
irgendwelchen Kriegen hervorgetan haben: Links steht der Erzengel Michael, der nach einem alten Mythos eine Gruppe von Engeln, die gegen Gott aufgestanden waren, niedergeworfen hat. Der Anführer
der Aufständischen, der Teufel, das personifizierte Böse, dargestellt als ein Tier mit großen Fledermausflügeln, liegt unter seinen Füßen. Rechts steht Mauritius; er war römischer Soldat. Hinter
ihm flattert die Fahne seiner Einheit, der thebäischen Legion, die von Kaiser Diokletian (284 -305) ins heutige Frankreich geholt worden war, um einen Bauernaufstand niederzuwerfen. Mauritius
aber zeigt, worauf es ihm ankam: Auf den Gehorsam gegenüber dem gekreuzigten Christus, der sich nicht wehrte und der auch nicht davonlief, als ihn seine Feinde, die seine Lehren für falsch
hielten, festnahmen. Mauritius und seine Gefährten haben sich geweigert, ihrem christlichen Glauben abzuschwören, wie es der Kaiser verlangte. Sie ließen sich ohne Gegenwehr
wegenBefehlsverweigerung hinrichten. Wer mag der Mann sein, der unter Mauritius liegt, der in der einen Hand einen Pfeil hält, in der anderen einen Fisch? Vielleicht Diokletian, dessen Versuch,
das Christentum auszurotten, am Mut der Märtyrer scheiterte?
Auf dem Friedhof gibt es eine Reihe von interessanten Grabmalen. Man kann sich dazu in dem Buch von Lisa Weyand „Katholische Pfarrgemeinde St. Clemens und Mauritius“ und in einer früheren Broschüre derselben Verfasserin informieren. Das empfehlenswerte Buch enthält auch viele Einzelheiten über die Kirchen St. Mauritius und St. Theresia. Es ist im Pfarrbüro an St. Elisabeth erhältlich. (G.T.)
3. Buchheim um 1844
So könnte es gewesen sein: Frühmorgens, an einem Sommertag des Jahres 1844, meldet sich ein junger
Offizier, Leutnant von Bila vom 27. Infanterieregiment, beim Landrat des Kreises Mülheim. Er soll das Gebiet östlich der Stadt bis hin nach Bensberg vermessen und dann eine Karte im Maßstab 1:25
000, ein sogenanntes Messtischblatt, zeichnen. Heute und in den nächsten Tagen möchte er sich einen ersten Überblick über sein Arbeitsfeld verschaffen, das Gebiet „rekognoszieren“. Landrat
Schnabel freut sich, dass er bald eine genaue Karte seines Amtsbezirks haben wird. Herr von Bila muss seine Freude dämpfen: Die Karte soll nur dem Militär dienen; indessen kann man ja … Der
Landrat versteht, dankt und weist einen seiner Amtsboten, einen gewissen Börsch, an, den Leutnant in den nächsten Tagen zu begleiten.
„Ich meine“, sagt v. Bila zu seinem Begleiter, „dass die gerade Chaussee, die nach Siegburg und weiter
nach Frankfurt führt, die geeignete Ausgangslinie für die Vermessungsarbeiten ist. Also, dorthin!“ Börsch, ein ehemaliger Unteroffizier des Deutzer Kürassierregiments, nimmt Haltung an und
antwortet: „Zu Befehl, Herr Leutnant!“
Am Ende der Buchheimer Straße, wo die beiden aus den Häusern herauskommen, müssen sie warten und einen
Eisenbahnzug vorbei lassen, der Material für die noch unvollendete Linie nach Minden transportiert. Sie haben einige Mühe ihre Pferde ruhig zu halten, als die Lokomotive pfeift. Jenseits des
Gleises stehen nur ein paar kleine Häuser an dem stumpfen Winkel zwischen der Frankfurter Chaussee und der neuen, schnurgeraden Straße nach Gladbach.
Hier endet auch die Pflasterung aus unregelmäßigen braunen Steinen, und es geht zunächst an Gärten vorbei und dann zwischen Feldern weiter. Rechts, etwas abseits, sieht man die roten Dächer eines
Gutshofes. „Der Merkerhof“, sagt Börsch, „zu dem die meisten Grundstücke hier herum gehören.“ In manchen Feldern stehen, tief gebückt, lange Reihen von Männern und Frauen und schwingen die
Sicheln. „Die Wintersaat ist dieses Jahr sehr früh reif geworden“, sagt der alte Soldat, und der Leutnant meint: „Aber auch die Sommersaat und die Kartoffeln stehen gut, besser als bei uns in
Brandenburg um diese Zeit.“ Nach rechts zweigt eine schöne Allee ab: „Der Weg zum katholischen Friedhof, auf dem ein Rest der alten Pfarrkirche steht.“ Und dann tauchen zwischen goldenen
Weizenfeldern und grünen Kartoffeläckern die niedrigen Häuser von Buchheim auf. Nach den ersten macht die Chaussee eine Biegung nach rechts. Hier geht eine Straße voll tiefer Pfützen nach links
ab. „Der alte Weg nach Wipperfürth“, erklärt Börsch. „Seit der König die Straße zwischen Deutz und Mülheim hat verbessern lassen, benutzt ihn niemand mehr, außer den wenigen Leuten, die daran und
am Dückergäßchen wohnen, wenn sie auf ihre Felder fahren oder zu Fuß nach Wichheim müssen.“ Die meisten Häuser des Ortes haben nur ein Erdgeschoß und sind aus Fachwerk gebaut und viele sind noch mit Stroh gedeckt. Fast alle stehen an der Chaussee, einige noch dürftigere an einer Gasse, die nach rechts zu dem schon
erwähnten Friedhof geht. Die Chaussee führt nun etwas hinunter zu einer Brücke, an der sich unter einer Linde ein steinernes Kreuz erhebt. Die Reiter überqueren einen wasserreichen Bach, an dem
ein Mühlrad rauscht. Kopfweiden stehen an seinem Ufer und säumen auch den großen Teich rechts von der Straße, in den der Bach strömt. „Die Strunde“, erklärt der Amtsbote. „Sie hat immer ziemlich
viel Wasser, darum kann sie viele Mühlen treiben, an die 25 sind es von Gladbach bis zum Rhein. Das ist die Mühle die zum Buchheimer Hof gehört“. Er deutet auf einen stattlichen Gutshof, der sich
vor ihnen erhebt. Rechts von diesem zweigt ein schlechter Fahrweg ab („Die alte Wipperfürther Straße von Deutz her; das kleine Wäldchen, das man da sieht, hat den großartigen Namen Buchforst. Die
Franzosen haben wenig davon übriggelassen.“) Die Chaussee aber macht vor dem Gutshof einen Knick nach links und läuft, von halbwüchsigen Alleebäumen gesäumt, in eine endlos scheinende Ebene
hinaus. Man muss schon zu Pferde sitzen, um zwischen all den wogenden Getreidefeldern die Dächer der drei Kalker Höfe und der Weiler Ostheim und Vingst zu rntdecken.
Lassen wir unserer Phantasie freien Lauf und malen uns aus, dass von Bila bei seinem ersten
„Rekognoszierungsritt“ bis in die Heide hinter Brück gekommen ist, wo gerade zwei Dutzend Männer unter der Aufsicht des königlichen Försters Kiefern anpflanzen („In 150 Jahren werden wir hier
wieder einen ordentlichen Hochwald haben.“), dass er dann am Rittergut Mielenforst vorbei wieder die Strunde erreicht, auf deren rechtem Ufer in
lockerer Reihe die Häuser von Schweinheim und Wichheim stehen. Hinter der Wichheimer Mühle biegen die Reiter nach links ab und geraten schließlich, die Sonne ist eben untergegangen, in den Park
von Haus Herl , wo gerade die Nichte des Bankiers Bürgers ( „Er hat eine ganze Reihe alter Rittergüter und säkularisierter [verstaatlichter] Klosterhöfe aufgekauft“.) mit den Kindern ihrer
Cousine unter der jahrhundertealten Kastanie sitzt und staunt, als plötzlich ein echter preußischer Leutnant vor ihr steht, sie mit „Gnädige Frau“ anredet und ihr die Hand küsst.
„Fräulein“, haucht sie, „weder verheiratet – noch verlobt …“ „Wie schön“, sagt der Leutnant, und wegen
der beginnenden Dämmerung merken sie nicht, wie sie beide rot werden. (G.T.)
4. Wie Buchheim allmählich größer wurde
kann man noch an der alten Wipperfürther Straße, der Herler Straße und ihren Nebenstraßen sehen. Die ältesten Häuser an der Alten Wipperfürther Straße sind die Nummern 44 und 35. Deren Größe und Aussehen hatten vermutlich die meisten Wohnhäuser des alten Buchheim. Wahrscheinlich war ihr Ziegelmauerwerk nicht verputzt oder getüncht. Es mag auch einige Fachwerkhäuser gegeben haben. In Nr. 44, das nur über ein Erdgeschoss und ein oder zwei Dachkammern verfügte, wohnte wahrscheinlich eine ganze Familie mit mehreren Kindern. Oder war es die Unterkunft für ein altes Ehepaar, das seinen Bauernhof an den Sohn übergeben hatte? An der Wichheimer Straße, zwischen Herler Ring und Straßenbahn, stehen noch sieben solcher einfachen Häuser (135, 141, 151b, 153, 157, 159, 169). Alle sind in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten mehr oder weniger verändert worden. Den ursprünglichsten Eindruck macht Nr. 169: eine Tür, rechts und links davon je ein Fenster, gleich darüber die Dachtraufe. Diese Ansiedlung, auf den Karten abwechselnd als Kleinherl oder Wichheim bezeichnet, gehörte damals zur Bürgermeisterei Merheim.
Die nächste „Generation“ von Häusern an der Alten Wipperfürther Straße sind die Nummern 50 - 64, die nach
dem Denkmälerverzeichnis um 1880/90 gebaut worden sind. Sie haben zwei oder drei Geschosse und zeigen die damals üblichen Stuckfassaden – falls man
den Stuck nicht nach dem 2. Weltkrieg weggeschlagen hat. Wer den Stuck nicht schätzte (oder wem er zu teuer war?), konnte sich auch eine Fassade aus verschiedenfarbigen Ziegeln machen lassen, wie
sie das Pfarrhaus und die Nummern 23 und 81 an der Herler Straße haben. Die meisten der bisher genannten Gebäude sind nur drei Fenster breit; wer breiter baute, musste Grundsteuer zahlen. Gehen
wir nun in Richtung Herler Straße, so finden wir die Nr. 74, auf der das Baujahr 1905 angegeben ist. Nr. 76 und 78 stammen aus derselben Zeit und haben wie Nr. 74 Jugendstilstuck. (Eine kleine
Aufgabe: Wo finden sich in der Nähe weitere Stuckfassaden aus dieser Zeit?)
In den Jahren darauf kamen die Stuckfassaden aus der Mode. Gehen wir durch die Hochmeisterstraße in die
Fürstenstraße! Hier sind wir in einer ganz anderen Welt, in einer Reihenhaussiedlung des sogenannten Heimatschutzstils. Diese dritte „Generation“ von Häusern hat nur sparsame Verzierungen aus
Stuck, aber phantasievolle Giebel, große Dachgauben und Erker. Nr. 34 verrät uns die Bauzeit der ganzen Anlage: 1914. Wenn man die einzelnen Gebäude genau anschaut, merkt man, dass manche, so
verschieden sie wirken, nur Variationen von Nr. 34 sind. Die Reihe der Häuser im Heimatschutzstil setzt sich an der Malteser- und Johanniterstraße fort, und eine weitere Gruppe aus dieser Zeit,
wenn auch etwas einfacher, säumt die Deutschordensstraße. Die dortige Nr. 4 ist im Ersten Weltkrieg fertig geworden, der im Übrigen die Bautätigkeit unterbrach.
Die vierte „Generation“ von Wohngebäuden entstand in der Zwischenkriegszeit. Ein typisches Werk dieser
Jahre – im Stil der „neuen Sachlichkeit“ – ist das Haus Kniprodestraße 2, das auch die Gaststätte „Alt Buchheim“ beherbergt. (Das Team bemüht sich in dankenswerter Weise – für uns alle –, den Raum vor dem Haus und die Flächen um die Bäume in Ordnung zu halten.) Schauen Sie sich Nr. 2
genau an und versuchen Sie, in der Umgebung ein ähnliches Haus zu finden! Die meisten anderen sind im Krieg zerstört worden oder man hat ihre Fassaden stark verändert. Damals wurde auch der ganze Stadtteil Buchforst im Bauhausstil gebaut. Aus derselben Zeit stammen die schwerfällig wirkenden Miethäuser in der Kniprodestraße.
Auch die beiden Seiten der Guilleaumestraße wurden damals bebaut. Die über den Krieg gekommenen Häuser an der Westseite haben sehr schlichte Fassaden – bis zum äußersten reduzierter
Heimatschutzstil. Trotzdem ist Nr. 9 unter Denkmalschutz gestellt worden. Ein Gebäude ganz eigener Art ist Nr. 21 mit seinen roten
Backsteingliederungen, dem barock geschweiften Giebel und dem Stuckfries, d.h. dem Wandstreifen, der sich unter der Dachtraufe hinzieht und sonderbare abstrakte Figuren zeigt. Auf dieses Ensemble
der zwanziger Jahre schaut seit dem Wiederaufbau der Schule die Figur eines Hirten herab, der ein Lamm auf der Schulter trägt, ein Werk, das von Ernst Barlach stammen könnte.
Nördlich von dem Bereich, den wir bisher betrachtet haben, standen bis zum Zweiten Weltkrieg nur einzelne, meist kleine Gebäude inmitten von Feldern und Gärten, in einer Landschaft, die den zahlreichen Kindern viel Raum zu Spielen wie „Räuber und Gendarm“ bot. Nach dem Krieg wurde in zwei Jahrzehnten fast das ganze noch verfügbare Gebiet Buchheims mit Wohnhäusern bebaut. Das letzte noch mögliche größere Projekt (so die Kirmesfestschrift von 1970) war das Gelände südlich der Straßenbahn; dadurch ging hier der Platz für das Schützenfest und die Kirmes, die beiden großen Ereignisse des „Veedels“, verloren. Man ging überall in Deutschland von der Gewohnheit ab, die Straßenränder geschlossen zu bebauen. An der Hermann-Kunz-Straße, der Stegwiese und an einigen anderen Stellen in Buchheim stehen Mehrfamilienhäuser inmitten von Rasenflächen – alle Bewohner sollten reichlich frische Luft und Sonnenschein haben.
Noch ein Wort zum Straßennetz. Einige Zeit vor dem Ersten
Weltkrieg, vermutlich im Zusammenhang mit der Verlegung der Eisenbahnen auf die hohen Dämme (ab 1906), entwarf die Mülheimer Stadtverwaltung einen Plan für das Wegenetz fast des gesamten heute
bebauten Buchheimer Gebietes. Dieser Entwurf sah ein im Wesentlichen rechteckiges Raster von Straßen vor, das die Grundstücksgrenzen und den Lauf der Strunde nicht beachtete. Das Flüsschen sollte
vom Buchheimer Ring bis zum Rhein unter die Erde verlegt werden, 1913 war der Kanal von der Frankfurter Straße ab fertig. Glücklicherweise wurde dieser Plan nur zu einem kleinen Teil ausgeführt.
Buchheim wäre sehr eintönig geworden. Besonders gut ist es, dass die Strunde oberhalb der Frankfurter Straße nicht verrohrt wurde. Sie fließt heute zwar nicht mehr, sie ist in den Faulbach
abgeleitet, aber an ihrem Damm gibt es eine hübsche Grünanlage mit Kinderspielplätzen, einen „abenteuerlichen“ Pfad durch Brennnesseln und
Brombeeren, und man kann zwischen der Straßenbahn und dem Buchheimer Ring, in der Flur „Paradies“, noch durch Äcker und Feldgärten spazieren.
Auch der Kirchenvorstand von Mariä Himmelfahrt (heute Liebfrauen) rechnete mit einer flächendeckenden
Besiedelung des Raums zwischen der militärischen Ringstraße (Buchheimer Ring, Herler Ring) und der „Rheinischen Eisenbahn“ und ließ 1894 - 96 St. Mauritius fast an den Rand des bis dahin
besiedelten Gebietes bauen. Zu der neuen Pfarrei wurden auch die Häuser an der Graf – Adolf - Straße und der Montanusstraße geschlagen und die dort wohnenden Kinder gingen in Buchheim zur Schule.
Für die Leute lief dieses ganze Gebiet unter dem Namen Buchheim. Wie die Bebauung – zumindest an den größeren Straßen – nach dem obengenannten Plan aussehen sollte, zeigt das Haus an der Ecke
Herler Straße/Johanniterstraße, in dem sich die an vielen Ecken übliche Gaststätte befand und noch befindet. Aber der Geschmack änderte sich
– und der Erste Weltkrieg brach aus. Erst ein halbes Jahrhundert später baute man hier weiter. (G.T.)
5. Ein Jahrhundert des Wachstums
Im 19. Jahrhundert – das Rheinland war 1815 preußisch geworden – bremsten weder Hungersnöte noch Seuchen
das Wachstum der Bevölkerung, wenn es auch noch viele Notzeiten durch Wirtschaftskrisen gab. In der preußischen Rheinprovinz, sie reichte bis Trier und Saarbrücken, nahm die Zahl der Einwohner in
den 100 Jahren bis 1914 von etwa 2 Millionen auf 7 Millionen zu. Am schnellsten wuchsen die Industriestädte.
In Mülheim und Umgebung begann die Industrialisierung, d.h. der Einsatz von immer leistungsfähigeren Antriebs- und Produktionsmaschinen in Betrieben mit großer Belegschaft, nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. 1864 gründete Eugen Langen die Deutzer Gasmotorenfabrik, in der Nikolaus August Otto seinen Motor entwickelte, 1874 begann Carl Guilleaume mit der Produktion von Ketten, Stahlseilen und Kabeln im Mülheimer Carlswerk, das um 1910 etwa 17 000 Menschen beschäftigte! An der Olpener Straße entstand auf den Feldern außer-halb von Deutz eine ganz neue Fabrikstadt, Kalk. Alle diese neuen Arbeitsplätze waren von Buchheim aus – man nahm längere Fußmärsche in Kauf – erreichbar.
Die Bevölkerung von Mülheim nahm von 1816 bis 1914 auf das Vierzehnfache zu, von ca. 4000 auf 56 000!
1820 bestand Mülheim (nach der Beschreibung Johann Bendels) aus der Freiheit, der Wallstraße und einigen Quergassen, welche diese Straßen und das Rheinufer verbanden. Zwischen den Häusern an der
Wallstraße und der heutigen Adamsstraße lagen zwei Reihen großer Gärten, vor denen 1844 und auch noch 1868 genug freier Raum war, um die Cöln-Mindener Eisenbahn und danach die Bergisch-Märkische
Eisenbahn zu bauen. 1890 hatte sich die Bebauung an der Frankfurter Straße schon bis zur Montanustraße vorgeschoben, an der entlang seit 1874 eine dritte Bahnlinie, die Rheinische Eisenbahn,
führte. Im heutigen Gebiet von Buchheim hatte sich noch nicht allzu viel geändert.
Wie dieses Gebiet um 1844 aussah, wurde schon geschildert. In den folgenden drei Jahrzehnten kam nur weniges dazu; besonders erwähnenswert ist die Brauerei zwischen Ackerstraße und Steinbergs Weiher. Ihre gewölbten Tiefkeller sind noch erhalten. In ihnen wurde das Eis, das man im Winter aus dem Weiher holte, eingelagert. (Wie sich das Klima verändert hat!) Durch die damit erzeugte Kühlung konnte man bis in den Sommer hinein untergäriges Bier, „Lagerbier“, brauen, das haltbarer war als das obergärige Kölsch. Letzteres musste schnell weggetrunken werden, was den Mül- und Buchheimern vermutlich nicht schwer fiel. Erhalten ist auch das Verwaltungsgebäude der Brauerei, Ackerstraße 144. Die Villa des Besitzers, die „Hahnenburg“, wurde, wie damals üblich, neben der Produktionsstätte errichtet. Es gab ja noch kein Telefon und keine schnellen Verkehrsmittel. Die unmittelbare Nachbarschaft von Wohnung und Betrieb war für einen Chef, der oft „nach dem Rechten“ sehen wollte, eine Notwendigkeit. In Buchheim steht übrigens noch eine weitere, jüngere, Fabrikantenvilla, die der Brotfabrik Müller, an der Ecke Frankfurter und Germaniastraße.
Die Hahnenburg ist ein typisches Bauwerk der Gründerjahre. Damit meint man im engeren Sinn die Jahre
1872/73, als die Einigung Deutschlands und die riesige Kriegsentschädigung durch Frankreich zu großen Investitionen ermutigten. Die Villa liegt in einem ursprünglich bis zur Dellbrücker Straße
reichenden Garten, den vorne ein schmiedeeiserner Zaun und hinten eine übermannshohe Ziegelmauer umgeben. Wer von Westen, auf der Gladbacher Straße, herankam, sah schon von weitem – der
Eisenbahndamm war ja noch nicht aufgeworfen – das herrschaftliche Gebäude mit seiner hellen Stuckfassade im Stil des Klassizismus, mit den an ein Schloss erinnernden Eckrisaliten (vorspringenden
Bauteilen) und der dreibogigen Halle vor dem breiten Haupteingang. Kam jemand mit der Kutsche, konnte er in einem großen Bogen vor die Freitreppe fahren, auf der ein „Bedienter“, sobald er
Hufschlag hörte, heraustrat, um den Ankömmling zu begrüßen und dann beim Hausherrn oder der Hausherrin anzumelden. Den Namen „Hahnenburg“ verdankt das Haus der Tatsache, dass sein Erbauer Hahn,
einer der beiden Gründer der Brauerei Börsch & Hahn, eine Frau geheiratet hatte, die denselben Familiennamen trug wie er, allerdings anders geschrieben. Wir dürfen uns ausmalen, wie Frau
Hahn, geb. Haan, in den hohen Räumen der Villa abendliche „Diners“ veranstaltete, zu denen die „Hautevolée“ Mülheims und der Umgebung eingeladen war. Personal, das im niedrigen, von unten fast unsichtbaren Dachgeschoss
wohnte, gab es damals genug. Nachmittags kamen Freundinnen, die Gattinnen anderer Unternehmer, zum Tee, während die Männer im Kontor oder „Bureau“ arbeiteten. An nicht zu heißen Sommertagen
konnten die Damen auf der Terrasse an der südöstlichen Seite des Hauses oder auf der Altane im ersten Stock sitzen und über den Weiher, die Weiden am Faulbach und die Felder an der Gladbacher
Straße bis zu den waldigen Höhen des Bergischen schauen.
Nach 1880 verstellten dann die Häuser an der Wichheimer Straße einen Teil des Ausblicks. Unruhiger verlief vermutlich das Leben des Ehemanns, denn auf die „Gründerjahre“ folgte sehr schnell der
„Gründerkrach“, durch den zahlreiche Firmen in Schwierigkeiten gerieten oder Pleite machten. Die Brauerei überstand diese Zeit und ging erst am Ende des Ersten Weltkriegs in Konkurs. Damals
erwarb Peter Drösser das Betriebsgelände und begann, laut Gewerbeschein vom 3.4.1919, den „An- und Verkauf von Maschinen und Industriebedarfsartikeln“.
Gemeint waren damit die Hinterlassenschaften der durch die Wirtschaftskrise nach dem verlorenen Krieg zugrunde gegangenen Betriebe. Drösser entwickelte sich zum Schrotthändler, sein
Schwiegersohn Robert Bopp begann nach 1924 auch mit dem Verkauf von Baustahl und „Neueisen“, was heute das eigentliche Geschäftsfeld der Firma ist. Südlich von der Brauerei entwickelte sich an
der Ackerstraße ein Gewerbegebiet. Die bedeutendste Firma war dort bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg eine Fabrik für feuerfeste Steine, gegründet von Hermann Kunz, nach dem die Straße
heißt, die heute über das ehemalige Firmengelände führt. Vermutlich gewann man auch einen Teil des Rohstoffes für diese Steine, nämlich Lehm und Ton, in Buchheim. Das Messtischblatt (Karte 1 : 25
000) von 1895 zeigt im Bereich unseres Viertels fünf Ziegeleien und viele große Gruben, in denen der Lehm abgebaut wurde. Wenn die Lehmschicht abgetragen war, konnte man den zu Tage tretenden
unfruchtbaren Grund mit der vorher beiseite geräumten Muttererde bedecken und wieder landwirtschaftlich nutzen. Oder man baute darauf: Die zwischen den Kriegen angelegte „Siedlung“ an der
Kattowitzer Straße steht an einer solchen Stelle.
Auch woanders rauchten in Buchheim die Fabrikschornsteine. Mitten in den Feldern südlich vom Park der Herler Burg stand ein Betrieb, in dem Leim produziert wurde. Dabei entstanden schlechte
Gerüche, daher die Lage fern von allen Wohnstätten. Wenn im Winter in Mülheim, wie fast überall, mit Kohle geheizt wurde und, wie meist bei uns, Westwind wehte, war der Himmel über Buchheim oft
ziemlich grau und die Luft nicht allzu gut. (G.T.)
6. ACLA Kolben- und Riemenfabrik
1829 wurde von Abraham Cahen-Leudersdorff, im Alter von 21 Jahren die A. Cahen-Leudersdorff & Co. Rheinische Maschinenleder und –Riemenfabrik gegründet. Der Standort der Firma war Mülheim a. Rhein, Freiheitsstr. 110 (heute Mülheimer Freiheit).
Ende des 19. Jahrhunderts, nach einem kometenhaften Aufschwung, wurde die Firma zu einem der vier größten Treibriemenhersteller Preußens und hatte eine Lederfabrik in Essen und ein weiteres Werk in Buchheim errichtet.
Erkennbar werden auch die vielfältigen Geschäftsbeziehungen im In- und Ausland, die Riemenfabrik hatte u.a. Vertretungen in Amsterdam, Jaffa (heute Teil von Tel – Aviv), Kiew, Mailand, Riga und Stockholm. Da das Unternehmen jüdische Besitzer hatte, zierte der Davidstern mit den beiden Buchstaben C und L den Briefkopf der Firma.
Während des Ersten Weltkrieges wurde die Firma 1916 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Seit 1926 firmiert sie nach den Anfangsbuchstaben des Firmengründers unter dem Namen ACLA. 1921/22 wurde der Firmenstandort in Buchheim durch eine weitere Fabrikationshalle aus verklinkertem Stahlbeton, architektonisch ein frühes Werk im Stil der neuen Sachlichkeit, erweitert. Dieser Standort in Buchheim, Frankfurter Straße / Heidelberger Straße, teilweise auf dem Gelände des ehemaligen „neuen“ Buchheimer Hof, ist bis heute der Hauptsitz der Firma ACLA.
Im „Dritten Reich“ nahmen die Nazis Einfluss auf die Fabrik ACLA und die Mitglieder der Familie Cahen wurden aus dem Vorstand gedrängt. Seit 1932 war Carl Fees Vorstandsmitglied und 1933 wurde der Namen Cahen - Leudersdorff aus dem Firmennamen gestrichen.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden Teile der Produktion und der Maschinen nach Sonneberg / Thüringen evakuiert. Nach dem Krieg erfolgte unter großen Schwierigkeiten die Rückverlagerung der Maschinen nach Buchheim und die Produktion konnte wieder aufgenommen werden.
Nach einigen Erweiterungen von Gebäuden und Produktionsmaschinen entwickelte sich die Firma ACLA GmbH heute zu einer der führenden europäischen Hersteller von technischen Artikeln aus Polyurethan - Elastomeren. Einzigartig ist die Produktvielfalt des Artikelprogrammes, z.B. von der 1 g „leichten“ Hydraulik - Dichtung bis zum 1,5 to „schweren“ Formteil für die Blechindustrie. Die Produktpalette der ACLA Werke GmbH umfasst heute mehr als 20.000 verschiedene Formteile.
Derzeitig beschäftigt die Fa. ACLA Werke in Buchheim ca. 200 Mitarbeiter.
(HJK)
7. Sankt Mauritius
Das stattlichste Bauwerk von Buchheim ist, so meinen wir, die Mauritiuskirche mit ihrem hohen, spitzen Turm, dem „Herrjottszeijefinger“, wie die Leute früher sagten. Sie wurde 1894-96 erbaut. Die Stadt Mülheim war in den vorhergegangenen 80 Jahren gewaltig gewachsen. Überall um die Altstadt, die bloß bis zur Wallstraße gereicht hatte, entstanden neue Wohnviertel und Fabriken, deren Arbeiter meist aus dem katholischen Umland zuzogen. 1815 hatte die katholische Pfarrei 3500 Gläubige gezählt, für welche die Clemenskirche viel zu klein war. 1857-63 baute man die große Liebfrauenkirche (damals „Mariä Himmelfahrt“), die aber bald auch nicht mehr ausreichte. 1894 gab es 28 000 Katholiken (und ca. 7000 Protestanten), von denen weit mehr als die Hälfte regelmäßig den Sonntagsgottesdienst besuchte. Vermutlich mussten die meisten während der Messen stehen. Deswegen beschloss der Kirchenvorstand, drei neue Kirchen zu errichten – eine im Süden (Herz Jesu), eine im Norden (St. Antonius) und eine im Osten, in Buchheim, wo die Pfarrgemeinde schon 1891 einen Bauplatz neben der Schule erworben hatte.
Schule und Kirche – das gehörte damals und auch noch lange, zusammen. Auch unmittelbar neben der
evangelischen Kreuzkirche und St. Theresia stehen Schulen.
Am 4. Juni 1894 legte Dechant Caumanns den Grundstein von St. Mauritius (drei Wochen danach den für Herz
Jesu!) und schon zwei Jahre später, am 27. Mai 1896, konnte das Gotteshaus eingeweiht werden.
Architekt war Diözesanbaurat Wilhelm Blanke. Die spitzbogigen Fenster und auch die spitzen Dächer auf dem
Glockenturm und auf den beiden Treppen-türmchen zeigen uns, dass Blanke den damals üblichen neugotischen Stil gewählt hatte. Das Mauerwerk besteht fast ganz aus Ziegeln, die im Lauf der Zeit
schmutzig geworden sind. Nur unter den Vordächern der Portale sieht man, dass die Kirche, als sie neu war, in hellem Gelb glänzte. Die Umrahmungen und das Maßwerk der Fenster, die Gesimse, die um
den Bau laufen und jetzt mit Zinkblech abgedeckt sind, und einige kleinere Teile wurden aus rotem Sandstein gehauen und der Sockel aus roten Ziegeln ist mit einem Profil von schwarzgrauer
Basaltlava abgedeckt. Schwarzgrau war auch das Schieferdach. Die Kirche wirkt insgesamt recht schlicht. Schmucklose Strebepfeiler, die den Schub der Gewölbe auffangen, gliedern die Seitenwände.
Nur die Westfassade ist etwas aufwendiger gestaltet. Über dem Portal erhebt sich ein Wimperg, ein vor der eigentlichen Fassade stehender Giebel, der ein Kreuz trägt und in das darüber liegende
Fenster hineinragt. Dieses, eine zwölfblättrige Rosette in einem spitzbogigen Fenster, erinnert an das untere Fenster an der Westfront der Kathedrale von Reims, nur dass ihre Stäbe und Bögen
massiver sind. Im Giebel erkennt man vier Lisenen, senkrechte, etwas hervortretende Mauerstreifen. Diese Lisenen gingen ursprünglich wie Kamine bis über den Rand des Daches hinauf, sodass ein
Treppengiebel entstand, wie an vielen Backsteinbauwerken der Städte im Ostseeraum. Einen ähnlich gestalteten Westgiebel besaß das Schulgebäude an der Guilleaumestraße.
Nun zum Inneren! Das Dach von St. Mauritius lässt darauf schließen, dass wir hier eine Hallenkirche vor uns haben, ein Gebäude mit drei gleich hohen Schiffen. Acht schlanke, rot getünchte Säulen tragen die Decke. Ihre Kapitelle sind mit den Blättern des Schöllkrauts geschmückt, einer Heilpflanze mit gelben Blüten und gelber „Milch“, die als „Unkraut“ an vielen Wegen Buchheims wächst. Die Decke bestand früher aus richtigen, gemauerten Kreuzrippengewölben. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg hat man gewölbeähnliche Stahlbetondecken ohne Rippen eingezogen. Der Raum hinter dem Altar ist ein „Fünf-Achtel-Chor“, das heißt, sein Grundriss besteht aus fünf Seiten eines Achtecks. Hier sind die Rippengewölbe erneuert.
Der Chor ist übrigens ungefähr so breit (ca. 7m) und tief – natürlich nicht so hoch – wie die sieben
Kapellen am Chorumgang des Domes, und das Maßwerk unserer Fenster besteht wie im Dom aus drei Dreipässen. Der Dreipass, eine Figur aus drei ineinander gehenden Kreisen, gilt als Symbol für den
einen, dreifaltigen Gott.
Obwohl Buchheim eine relativ arme Gegend war, wurde die Kirche schnell mit Kunstwerken ausgestattet.
Davon hat nur wenig den Krieg und die Zeit, in der man die Neugotik verachtete, überstanden. Der Taufstein aus schwarzem belgischem Kalkstein wurde vom Brauereibesitzer Ludwig Börsch geschenkt. (Siehe „Ein Jahrhundert des Wachstums“). Auf dem achteckigen Messingdeckel steht eine versilberte Bronzefigur Johannes
des Täufers. Dechant Caumanns stiftete die Kommunionbank aus Eichenholz, an der die Gläubigen niederknieten, um den Leib des Herrn zu empfangen. Zwei Stücke davon sind erhalten. Sie stehen ganz
vorne in den Seitenschiffen. Das rechte Stück zeigt neben einem Engel eine sonderbare Szene. Im Mittelalter meinte man, die neugeborenen Löwenjungen würden erst lebendig, wenn ihr Vater sie
anschnaubte, und diese Tatsache erschien als eine Parallele zur Auferstehung Christi. 1920 gestaltete man den Raum unter dem Turm zur Kriegergedächtnistätte um. Der Buchheimer Matthias Modemann
schuf dafür eine ungewöhnliche Pietà: Der Leichnam Jesu liegt nicht auf dem Schoß Marias (wie z.B. auf dem Schnitzaltar im Chor), sondern auf dem Boden, wie ein Gefallener, und die Mutter beugt
sich kniend über ihn. Die Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs sind nach 1945 durch die von über 200 Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs ersetzt worden. 1941 fielen die ersten
Bomben auf St. Mauritius, der Angriff vom 15.10.1944 vernichtete die Gewölbe und fast die ganze Ausstattung. Schon 1950 hatte die Gemeinde ihre Kirche wieder aufgebaut. 1955 fertigte Toni Zenz
den gewaltigen Altarblock. Er zeigt an der Vorderseite Märtyrer, Gefährten des hl. Mauritius, „die ihre Gewänder im Blut des Lammes waschen“ (Apokalypse / Offenbarung 7,14). 1962-65 erhielten die
Fenster im Schiff farbige Scheiben. Sie wurden von Eduard Horst entworfen. Das vorderste Fenster auf der rechten Seite zeigt die Begegnung von Abraham und Melchisedek (Genesis 14,18 - 24), der
Brot und Wein opfert. Im gegenüberliegenden Fenster sehen wir, wie Gott die Israeliten in der Wüste durch Manna, vom Himmel fallendes Brot, ernährt
(Exodus 16). Beide Geschichten wurden als ein „Typus“, ein Hinweis auf das Abendmahl Jesu und auf die Eucharistiefeier verstanden. Über dem Südeingang ist der hl. Martin dargestellt, über dem
gegenüberliegenden Nordeingang die Verkündigung der Geburt Jesu durch den Engel; über der knienden Maria schwebt, wie auf alten Bildern, die Taube des Hl. Geistes.
Das letzte Fenster auf der Südseite zeigt die Erschaffung der Frau. Die Bezüge zu dem berühmten Fresko
Michelangelos sind deutlich: Adam liegt ganz genauso wie auf dem Bild an der Decke der Sixtinischen Kapelle; Gott berührt aber nicht seine Fingerspitzen, sondern diejenigen Evas, die sich aus der
Seite Adams erhebt. Im gegenüberliegenden Nordfenster gibt es zwei Szenen. Oben kniet Johannes vor Jesus, den er gerade getauft hat, unten deutet er auf ein tödlich verwundetes Lamm („Seht das
Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“
Joh 1,29). Das Fenster im Vorchor, das die Gemeinde kaum sehen kann, zeigt oben die Erscheinung des Kreuzes zwischen den Geweihstangen eines Hirsches, die den leidenschaftlichen Jäger Hubertus
dazu bringt, seine Lebensweise zu überdenken; unten zeigt es vermutlich seine Weihe zum Priester.
1978 kaufte man eine neue Orgel. Man hätte ihre 1255 Pfeifen so aufstellen können, dass die ganze Fensterrose sichtbar geblieben wäre. Diese war 1947 von Gemeindemitgliedern unter Lebensgefahr gerettet worden. Aber Werke der Neugotik wurden damals nicht geschätzt oder sogar vernichtet, sie galten nur als Nachahmungen, nicht als „echte“ Kunst. Diese allgemein verbreitete Ansicht änderte sich bald, und so freute sich die Gemeinde, als sie 1984 einen neugotischen Flügelaltar geschenkt bekam. Sein Mittelstück zeigt links Veronika, die Jesus auf dem Kreuzweg ein Tuch zum Abwischen des Gesichtes reicht, rechts eine Pietà; hier liegt Jesu Leichnam auf den Knien seiner Mutter. Das mittlere Bild ist eine Darstellung der Dreifaltigkeit in der Form des „Gnadenstuhls“: Gott Vater präsentiert den Gekreuzigten, über diesem schwebt, in Gestalt einer Taube, der Heilige Geist.
Informationen über die Kirche und die Gemeinde bietet ein Faltblatt, das man im Pfarrbüro erhalten
kann. (G.T.)
8. Sankt Theresia
Eine kreisrunde Kirche war für viele Leute unvorstellbar. Kirchen hatten in Westeuropa normalerweise
rechteckigen oder kreuzförmigen Grundriss. Die Urform der abendländischen Kirche ist die römische Basilika, ein rechteckiger Raum, der ein hohes Mittelschiff und niedrigere Seitenschiffe hat. An
einer der Schmalseiten war eine große Nische, die Apsis, angebaut. Die christlichen Bau-meister erweiterten die ursprünglich profanen Zwecken dienende Basilika durch ein Querschiff und einen
Chorraum vor der Apsis, wodurch ein kreuzförmiger Grundriss entstand.
Die vielen Kirchen, die während des 19. Jahrhunderts im Rheinland gebaut wurden, folgten fast alle diesem
Schema. Ärmere Gemeinden, z.B. St. Mauritius, verzichteten auf ein Querhaus. Fast alle Baumeister und Gemeinden – im Erzbistum Köln war das sogar vorgeschrieben – wählten den gotischen oder
romanischen Stil.
Schon kurz vor dem Ersten Weltkrieg hatte man die Nachahmung historischer Baustile satt. Es waren auch
ganz neue Baustoffe entwickelt worden, Beton, Stahl und große Glasscheiben, die ganz andere Möglichkeiten des Bauens boten als jemals zuvor. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich auch in den
Kirchen ein neues ästhetisches Empfinden durch – Stichwort „Bauhaus“: der moderne Kirchenbau begann. Ein frühes Beispiel ist St. Petrus Canisius in Buchforst.
Einer der Pioniere des neuen Stils war Dominikus Böhm, der Vater und Lehrmeister des Erbauers von St. Theresia, Gottfried Böhm, der für sein Lebenswerk mit dem Pritzkerpreis, dem „Nobelpreis für
Architekten“, ausgezeichnet wurde. Eines der Ziele Böhms war die „Einheit des Raumes“. Es gibt in St. Theresia keine Schiffe mehr und damit keine
Pfeiler, die einem Teil der Gottesdienstbesucher den Blick auf den Altar versperren; es gibt keinen Chorraum, in dessen Hintergrund, weit weg von den Laien, der Priester zelebriert; die Empore
ist seitwärts angebracht, so stehen auch die Sänger des Chores näher am Altar. Zum neuen Stil gehörte auch die Verwendung einfachster Formen: St. Theresia besteht aus einem Zylinder, auf dem ein
kegelförmiges Dach ruht. Angebaut sind ein Windfang und eine ebenso niedrige Sakristei. Die Außenwand der Kirche besteht zu zwei Vierteln aus Ziegelmauerwerk, außen und innen unverputzt – man
sollte das tragende Material sehen, aus dem das Bauwerk eigentlich bestand – und zu zwei Vierteln aus Glas, aus zwei gewaltigen Fenstern, die vom Boden bis zur Dachtraufe reichen. In den
kreisrunden Raum stellte Böhm zwei Wände, die schon manchen Besucher, der eine richtige Zentralkirche mit einem in der Mitte aufgestellten Altar erwartet hat, enttäuscht haben. Der Kreis sollte
nämlich auch einen Beichtraum und eine intimere Werktagskapelle aufnehmen. Die letztere kam unter die Empore. In die kleine Vorhalle stellte man das Taufbecken. Die Taufe ist das Sakrament, durch
das der Mensch in die Kirche, das Volk Gottes, eintritt, und so ist der Eingang einer Kirche ein passender Ort für die Spendung dieses Sakraments. Das Weihwasser, in das man beim Betreten einer
Kirche den Finger taucht, ist eine Erinnerung an die Taufe.
Am 9.10.1955 wurde der Grundstein gesegnet, fast genau drei
Jahre, nachdem am Gedenktag der hl. Theresia von Lisieux, am 3.10.1952, Pfarrer Jacquemain von Liebfrauen und Generalvikar Teusch den Beschluss
gefasst hatten, im „Niemandsland“ nördlich vom alten Buchheim eine Pfarrei zu gründen. Neun Monate später (!) war der Bau vollendet – das, obwohl während der fünfziger Jahre im Stadtbezirk
Mülheim fast jedes Jahr eine neue Kirche errichtet wurde.
Zusammen mit der Kirche waren Pfarr- und Küsterhaus errichtet worden, 1958 folgte der
Kindergarten, 1959 der 20 m hohe Turm, 1961 das Jugendheim.
Neben all dem wurden laufend Ausstattungsstücke beschafft. 1959 wurden bei Mabillon in Saarburg die Glocken gegossen, wobei man darauf achtete, dass ihr Klang mit dem Geläut von St. Mauritius,
das den Krieg überstanden hatte, harmonierte. In der Osternacht 1960 bekam die Gemeinde erstmals das große Kreuz über dem Hauptaltar zu Gesicht. Es ist ein Werk des Kölner Künstlers Hanns
Rheindorf (1902-1980). Der Körper des Gekreuzigten ist aus Silberblech getrieben. Figuren dieser Größe auf diese Weise herzustellen, war eine Spezialität Rheindorfs. Eine andere von ihm
meisterhaft beherrschte Technik war die Zellenschmelzarbeit. Dabei werden Metalldrähte auf Blech aufgelötet, die die Umrisse, sozusagen die Zeichnung, des Bildes sind. Die Zwischenräume füllt man
mit farbigem Glaspulver, das dann im Brennofen zu Email verschmilzt. Vier solche Emailbilder sind an den Enden der Kreuzbalken angebracht. Die Bronzestatue der hl. Theresia, die in dem Bogen über
dem Eingang steht, stammt auch von Rheindorf und wurde 1961 gestiftet. Sie trägt die Tracht der Karmelitinnen und hält einen Rosenstrauß in den Händen, Anspielung auf ein Versprechen, das sie
kurz vor ihrem Tod gab: „Wenn ich im Himmel bin, werde ich Rosen auf die Erde regnen lassen“. Mit den Rosen sind Gebete gemeint, die auf ihre Fürsprache von Gott erhört worden sind. Auf die
Innenseite der Längswände malte Helmut Lang Szenen aus den Evangelien, auf die Außenseite die 14 Stationen des Kreuzwegs.
Das Schönste an der Kirche sind die Fenster. Das beherrschende Motiv dieser Wände aus Glas, die Böhm
selber entworfen hat, sind gelbe Flammen, über denen grauer Rauch zum Himmel aufsteigt. Die Gläubigen stehen also mitten in einem gewaltigen Feuer. Im dritten Kapitel des alttestamentlichen
Buches Daniel wird erzählt, dass der babylonische König Nebukadnezar bei Todesstrafe befohlen hatte, ein goldenes Götzenbild anzubeten. Alle gehorchten, nur drei junge Juden weigerten sich, und
der König ließ sie ins Feuer, in einen Ziegelofen, werfen. Aber ein Engel trieb die Flammen auseinander, und die Jünglinge sangen „im Feuerofen“ ein Lied, in dem sie alle Geschöpfe aufforderten,
mit ihnen den einen, wahren Gott zu preisen. Die meisten von denen, die am 28. Juni 1956, am Weihetag, den Raum der neuen Kirche füllten, hatten die Verfolgung der Christen durch Hitler
miterlebt. Manche von ihnen hatten buchstäblich im Feuerofen gesessen, im brennenden Köln und in anderen Städten, und hatten erfahren, wie die Flammen auf einmal zurückwichen. Indessen war damals
die Zeit der Verfolgungen nicht vorbei: In den Ländern des kommunistischen Machtbereichs litten Zehntausende von Christen in den Straflagern. Kleine, über die Fensterfläche verstreute Bildchen
stellen Dinge dar, die im Lobgesang der drei Jünglinge „angesprochen“ werden. Über die Einzelheiten informiert das im Text zu St. Mauritius erwähnte Informationsblatt. – Gottesdienste: Fr. 17.30
(deutsch), So 10.00 (ukrainisch, mit den schönen Gesängen des ostkirchlichen Ritus) (G.T.)
9. Die Kreuzkirche
Im 16. Jahrhundert zerfiel in Deutschland die kirchliche Einheit. In fast allen deutschen Staaten hatte
jeweils nur eine der Konfessionen das Recht, öffentlichen Gottesdienst abzuhalten, d.h. in einem als Kirche erkennbaren Gebäude und mit dem Geläut von Glocken. Köln blieb im Gegensatz zu den
meisten Reichstädten rein katholisch. In Mülheim wurde allmählich ein Teil der Einwohner evangelisch. Allmählich – denn es gab im Herzogtum Berg keine Reformation durch die Landesfürsten. Diese
nahmen gegenüber den religiösen Neuerungen eine sehr schwankende Haltung ein. Es kam ganz auf die Mitglieder der Gemeinden an, auf die sich entwickelnden theologischen Ansichten der Priester und
auf die Meinungsbildung unter den Laien, ob eine Pfarrei Schritt für Schritt evangelischer wurde oder irgendwie katholisch blieb, oder ob sie sich, formell eine Organisation bleibend, geistig
spaltete. Dass die Evangelischen bald untereinander uneins waren – Anhänger Luthers und Calvins („Reformierte“) befehdeten sich manchmal sehr heftig – machte die Lage noch komplizierter.
1609 starb das alte Fürstenhaus von Jülich-Kleve-Berg-Mark aus und zwei evan-gelische Fürsten, der Pfalzgraf von Neuburg und der Kurfürst von Brandenburg, beanspruchten das Erbe. Um die Bevölkerung zu gewinnen, verkündigten sie die Religionsfreiheit. Für Mülheim bedeutete das, dass die Evangelischen aus der bestehenbleibenden katholischen Pfarrei ausscheiden und 1610 zwei (!) Gemeinden gründen konnten: eine kleinere lutherische und eine größere reformierte, deren Gottesdienste auch von den wenigen evangelischen Bewohnern Kölns besucht wurden. In der preußischen Zeit schlossen sich die beiden – unter gelindem Druck des Königs – zusammen. Zu dieser „unierten“ Gemeinde gehör-ten ursprünglich alle Protestanten, die verstreut im Gebiet des heutigen rechts-rheinischen Köln wohnten. Im Lauf der Zeit zogen immer mehr evangelische Christen zu, so wurden Gemeinden in Deutz (1857), in der neu entstandenen Stadt Kalk (1877) und in Dellbrück (1913) gegründet. Die Katholiken machten aber immer noch mehr als drei Viertel der Bevölkerung aus. Der Zustrom von vorwiegend evangelischen Heimatvertriebenen machte die Bildung weiterer Pfarreien im Stadtbezirk Mülheim notwendig (Flittard 1957, Dünnwald und Höhenhaus 1964).
1961/62 wurde für Buchheim und Buchforst die Kreuzkirche samt einem Pfarrhaus gebaut, in den Jahren darauf das Gemeindezentrum und der Turm, ein freistehender „Campanile“, 1975 folgte der Kindergarten. Die Kirche wurde von Dipl. Ing. Rudolf Esch aus Krefeld entworfen, der, vierzig Jahre alt, kurz vor der Einweihung bei einem Verkehrsunfall das Leben verlor.
Die Kirche hat einen fünfeckigen Grundriss. An vier Seiten erheben sich Wände aus Beton, die innen und außen mit Ziegelsteinen verkleidet sind. Die fensterlosen Mauern schirmen den Gottesdienst gegen den Verkehrslärm ab. Die fünfte Seite, im Westen, vor der ein niedriger Vorbau liegt, ist ein einziges großes Fenster. Rechteckige, verschieden geformte Betonelemente sind in immer neuen Gruppierungen über- und nebeneinander geschichtet. (Versuchen Sie herauszubekommen, wie viele unterschiedliche Elemente es gibt! Sechs, neun oder zwölf?) Hier ist auch der Eingang, eine Tür aus klarem Glas, durch welche die Vorübergehenden in das Innere schauen können. Ein weißer Sichtbetonbalken schließt die Wände oben ab und verbirgt das flache Zeltdach vor den Augen des Beschauers. Im Inneren gibt es keine Pfeiler und keine Nischen, der Raum ist ein ganz einheitlicher Saal. Der graue Steinfußboden senkt sich sacht zum Altar hin. Neben diesem stehen Kanzel und Taufbecken und die Osterkerze, die jedes Jahr von der katholischen Gemeinde überreicht wird.
Eine selbständige Gemeinde wurde Buchforst/Buchheim im Jahre 1968. Über dreißig Jahre lang wurde sie von
Pfarrer Heinz Aubel geleitet, der sie gesammelt und aufgebaut hatte und trotz zahlreicher übergeordneter Aufgaben sein Buchheimer Pfarramt nie vernachlässigte.
In den seitdem vergangenen Jahrzehnten ging die Zahl der Evangelischen in Buchforst/Buchheim auf die Hälfte zurück. Das früher stark von der Jugend und vielen anderen Gruppen genutzte große Gemeindezentrum – 1991 hatte man noch
einen schönen Saal dazu gebaut – konnte nicht gehalten werden. Man verkaufte es an den Kirchenkreis Köln-Rechtsrheinisch (die Verwaltung von 22 Pfarreien mit all ihren Einrichtungen in Köln und
im Bergischen) und baute das Pfarrhaus zu einem kleineren Gemeindehaus um. (G.T.)
10. Die Neuapostolische Kirche
Die christliche Gemeinschaft, die sich seit den dreißiger Jahren „Neuapostolische Kirche“ nennt, entstand
im 19. Jahrhundert. Sie glaubt, dass sie der im Neuen Testament dargestellten Struktur der Kirche und dem damaligen Gemeindeleben näher kommt als alle anderen Kirchen. In Mülheim trafen sich
Anhänger dieser Lehre erstmals um 1906, zeitweise im Saal der Gaststätte „Weißes Pferdchen“ (heute ist da Opel Bauer). 1964 wurde die Kirche an der Wuppertaler Straße gebaut. Architekt war Alfred
Kupp. Sein Entwurf ist typisch für viele Gotteshäuser der Neuapostolischen: Ziegelmauerwerk, graue Einfassungen der hochrechteckigen Fenster, insgesamt eine nüchterne Bescheidenheit. An der
rechten Seite ist das Emblem oder Logo der Neuapostolischen Kirche angebracht, ein Kreuz über den Wellen des Meeres, hinter dem die aufgehende Sonne ihre Strahlen emporschickt. Außerhalb Europas
gibt es eine große Zahl von Neuapostolischen. Unsere Buchheimer Gemeinde umfasst zur Zeit ca. 380 Mitglieder, die auch in anderen Stadteilen wohnen. Ein beträchtlicher Teil von ihnen trifft
sich jeden Sonntag um 9.30 und jeden Mittwochabend zum Gottesdienst. Es gibt einen Chor, eine Orgel mit
15 Registern und auch jemand, der sie zu spielen versteht. Gäste sind jederzeit willkommen. (G.T.)
11. Schulwesen
Wie in
vielen Orten des Mittelalters und der beginnenden Neuzeit war auch in Mülheim der Küster gleichzeitig Lehrer. Die älteste Nachricht, die Johann Bendel über den „Offermann und Schollmeester“
gefunden hat, datiert von 1579. Der Mülheimer Küster hatte allerdings noch viele andere Aufgaben und war schlecht bezahlt, so dass er den Unterricht vermutlich oft als eine Sache betrachtete, die
man vernachlässigen konnte.
Im 16. Jahrhundert war ein Teil der Mülheimer Bevölkerung allmählich evangelisch geworden. (Siehe „Kreuzkirche“). Als 1609 die Erben des alten bergischen Fürstenhauses die Gründung protestantischer Gemeinden erlaubten, bildeten sich zwei evangelische Gemeinden, eine „lutherische“ und eine „reformierte“. Die großen Reformatoren, Luther und Calvin, hatten Wert darauf gelegt, dass möglichst viele Menschen die Bibel lesen konnten. Deswegen stellten beide Gemeinden sehr bald hauptamtliche Lehrer an. Es waren anfangs meist junge Theologen, die später Pfarrer wurden, Menschen mit einer Vorbildung weit über dem Niveau der Küster. Die katholische Pfarrei beschloss erst 1776, den Unterricht nicht mehr dem Küster, sondern Geistlichen anzuvertrauen. Der Grund dafür war vermutlich, dass der reformierte Lehrer Johann Heinrich Tops (1735-1805), der z.B. eine neue Methode des Erstleseunterrichts einführte, auch viele katholische Schüler anzog.
Auch die Kinder aus Buchheim besuchten die Mülheimer Schulen. Viele werden es nicht gewesen sein, denn
die bäuerlichen Familien ließen die Kinder lieber das Vieh hüten und andere leichte Arbeiten verrichten.
Als aus dem Herzogtum Berg ein französischer Vasallenstaat geworden war, wurden die Schulen eine
Angelegenheit der Zivilgemeinden. So blieb es auch unter den Preußen. Allerdings gab es immer noch verschiedene Schulen für katholische und evangelische Kinder, und die Pfarrer behielten bis zum
„Kulturkampf“ (1873) die Aufsicht über das örtliche Schulwesen. Zu ihren Aufgaben gehörte es auch, die Eltern von der Notwendigkeit zu überzeugen, ihre Kinder regelmäßig – auch in der Erntezeit –
in die Schule zu schicken.
Bis gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts wendete die Stadt nicht viel Geld für das „Unterrichtswesen“
auf. Die Klassen waren so groß, dass wir uns heute nicht vorstellen können, wie Unterricht damals möglich war. 1862 kamen in den beiden katholischen Volkschulen Mülheims 126 Schüler auf jeden der
zehn Lehrer! 1913, nach Jahren mit großen Neubauten, war das Verhältnis 1:56. Auch dann noch mussten die Kinder zu äußerster Ruhe angehalten – um nicht zu sagen: „dressiert“ – werden.
Der zweite Neubau des 19. Jahrhunderts war die Schule in Buchheim (1865-68). Das neugotische Gebäude mit
seinen vor einigen Jahren wiederhergestellten Treppengiebeln steht an der Alten Wipperfürther Straße und lag damals am Rand des Ortes. Es enthielt
zwei Klassenräume, wahrscheinlich, wie das Klassenbild von 1877 zeigt, einen für die jüngeren Jahrgänge und einen für die älteren. Außerdem wohnte der Lehrer hier und konnte so auch außerhalb der
Unterrichts-zeit die Buchheimer Jugend im Auge behalten. An der Rückseite des Gebäudes stand – und steht noch – in einer Nische eine lebensgroße Figur Mariens mit dem Jesuskind. Wir dürfen uns
vorstellen, dass sich die Kinder jeden Tag mit Blick auf die Muttergottes in Reihen aufstellten, ein Gebet sprachen und dann sehr geordnet, zwei zu zwei, in ihre Klassenräume gingen.
Bereits 1874 waren die beiden Klassenräume überfüllt, es gab 245 Schüler, und man mietete ein „ Lokal“
und eine Scheune an, bis 1876 ein Anbau fertiggestellt war. Der nächste Anbau folgte 1880, und 1895-97 wurde endlich ein zweites Gebäude errichtet.
Nun verfügte man über 16 „Schulsäle“, eine Turnhalle, ein „Konferenzzimmer“, eine Wohnung für den „Schuldiener“ und ein Brausebad. 1900 besuchten 1148 Kinder die Buchheimer Schule – das waren
immer noch 70 pro Klasse. Das neue Schulhaus erhob sich bis zur Zerstörung im 2. Weltkrieg dort, wo heute das Hauptgebäude der beiden Grundschulen steht.
Es besaß einen aufwendig gestalteten Giebel, ähnlich dem der neuen Kirche St. Mauritius, und aus einer
Nische der Fassade schaute vermutlich wie heute eine Figur des guten Hirten auf die zahlreichen Kinder herab, die aus der allmählich immer dichter besiedelten Mülheimer „Neustadt“ im Westen der
Rheinischen Eisenbahn kamen.
Die vermutlich wenigen evangelischen Kinder mussten während der ganzen hier beschriebenen Zeit und noch
lange danach nach Mülheim in die Schule gehen.
Der erste Lehrer in Buchheim war der legendäre Rektor Modemann. Der 1972 verstorbene Lokalredakteur Otto
Lowig erzählt, wie er ihm zum ersten Mal begegnete. „Meinen ersten Eindruck von Buchheim bekam ich, da ich als Sechsjähriger im Jahre 1910 an der Hand meiner Mutter zur Schulanmeldung ging. Da
saß an einem Tisch in der Turnhalle, mit einer blauen Mappe vor sich, ein Mann, der aus einer langen Pfeife, deren Kopf auf dem Fußboden stand, so großmächtige Rauchwolken sog, dass man sein
Haupt wie das eines Jupiter umwölkt sah. Es war Rektor Modemann, jener Schulleiter, der Generationen von Buchheimern nicht nur das Einmaleins, sondern vor allen auch die Freude am schönen Lied
vermittelte … An Volkstümlichkeit kam ihm nur noch der alte Lehrer Küppers gleich, der ein so eingeschworener Buchheimer war, dass er die aus dem Bahnhofsviertel kommenden Schüler der dort
entstandenen Neustadtstraßen häufig genug als „Neustädter Ähsel“ bezeichnete. Lowig erzählt weiter: „Als I -Köttele saßen wir in den Klassenräumen
des alten vorderen Schulgebäudes in Sechserbänken. … Damals gingen noch die Kinder des Waisenhauses an der Elisabeth-Breuer-Straße in die Buchheimer Schule. … Da waren mehr als sechzig Schüler in
den engen Schulräumen mit den weißgetünchten Fenstern untergebracht. Wir mögen manchmal vielleicht ein wenig intensiv geduftet haben, aber die Fenster wurden trotzdem nur selten geöffnet. Damals
war der Kinderreichtum sehr groß, und ich entsinne mich, dass einmal gesagt wurde, es sollen alle die auf-stehen, die zu Hause zehn und mehr Kinder hätten. Da standen mit einem Ruck mehr als die
Hälfte der Schüler auf …“. Modemann ist im Alter von 21 Jahren nach Buchheim gekommen und wurde 1919 aus dem Dienst entlassen; vermutlich war er die
letzten Jahre Ersatz für die im Feld stehenden Kollegen. (G.T.)
Im „Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Mülheim am Rhein von 1901 – 1906 (7)“ wird unter
IV. Finanzwesen, 2. Vermögen für die katholische Bezirksschule II in Buchheim ein Wert von M 273.500 angegeben.
Die beim Erweiterungsbau der katholischen Volksschule errichtete Badeanstalt erfreute sich einer recht regen Benutzung, die jedoch allerdings nachließ, als im Winter der Baderaum nicht richtig warm wurde. Als Verbesserung wurde u. a. eine niedrigere Zwischendecke eingezogen. „Laut gewordenen Wünschen entsprechend, wurde auch eine Badewanne aufgestellt.“
An den evangelischen Volksschulen (I. Regentenstraße, II. Steinstraße, heute Laufenbergstraße) bestanden bereits wegen kleiner Zahl der Schüler gemischte Klassen, während an den katholischen Volksschulen nach Geschlechtern getrennt wurde.
Die beiden unteren Klassen wurden von Lehrerinnen unterrichtet, die weiteren Klassen von Lehrern. 1903 beschloss die Schulkommission, dass auch die dritte Klasse von Lehrerinnen betreut wird.
Durch Neueinstellungen von Lehrerinnen wurde dies bis Ostern 1906 erreicht.
Im
„Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Mülheim am Rhein von 1906 – 1911“ steht unter VII. Unterrichts- und
Erziehungswesen,
1. Volksschulwesen: „An den evangelischen Schulen bestanden bekanntlich nur gemischte Klassen. Da die schultechnischen Schwierigkeiten bei der
Aufrechterhaltung dieser Klassen mit jedem Jahre größer wurden, so mußte nach Beginn des Schuljahres 1909 eine Trennung nach Geschlechtern vorgenommen werden.“ Damit den Schulkindern mehr
Möglichkeiten zur Pflege der Reinlichkeit gegeben werden kann, wird neben den bestehenden Brausebädern (u. a. an der Buchheimer Volksschule) ein weiteres Brausebad gebaut. [Man muss bedenken,
dass es damls nicht üblich war, dass in den Wohnungen Badewannen standen.]
An der Volksschule Buchheim wurden zwischen 1906 und 1909 über 1.000 Schulkinder unterrichtet. Bedingt durch die Eröffnung der achten katholischen Volksschule 1910 sank die Zahl der Schulkinder
auf 907.
In dem Berichtszeitraum wurden an der katholischen Volksschule von einer Lehrkraft ca. 60 Schulkinder unterrichtet. Auch die Kinder aus
dem katholischen Waisenhaus an der Friedensstraße (heute Elisabeth – Breuer – Straße) gingen in Buchheim zur Schule.
Aus „100 Jahre Buchheimer Schule“: „Aber dann schon kam der erste Weltkrieg, und der größte Teil der Schule und auch die Turnhalle wurden zeitweilig mit Soldaten belegt.“ Die einquartierten Soldaten waren vermutlich Soldaten, die vom Reichsinneren an die Westfront verlegt wurden. Weiter es heißt es in der Schulchronik: „Im Jahr 1916 wurden verschiedene Mülheimer Schulen wegen Kohlenmangels zusammengelegt.“ Kinder von der Holweider Straße in Mülheim kamen in die Räume der Buchheimer Schule. Von Februar bis März 1917 wurden alle Kölner Schulen wegen Kohlenmangels geschlossen. Anfang 1918 wurden Übungen durchgeführt, wie sich die Schulkinder bei Fliegerangriffen zu verhalten haben. Im Herbst 1918 wurde die Buchheimer Schule wegen einer Grippeepidemie geschlossen. Im Dezember 1918 ist die Schule für zwei Tage von britischen Soldaten beschlagnahmt, und anschließend kamen neuseeländische Truppen. Nach Abzug der Besatzungssoldaten konnte wieder ein geordneter Schulbetrieb durchgeführt werden.
Im Deutschen Reich wurden 1919, nach der neuen Verfassung, auch die Volksschulen neuausgerichtet, sie wurden für alle Kinder des Volkes (soziale Koedukation) eingerichtet, nach dem Leitbild „Bildung für alle“.
Während der NS – Zeit wurden viele Verbesserungen rückgängig gemacht und der Ideologie angepasst.
Während
des zweiten Weltkrieges kam es immer wieder zu Luftangriffen.
Aus „Uns Schull hät Gebootsdag. – 100 Jahre Buchheimer Schule“: „Auch in diesen Jahren, besonders als die Luftangriffe sich immer mehr verstärkten, war bald von einem geregelten Unterricht nicht
mehr die Rede. Die Schule wurde mehr und mehr für die gesamte Bevölkerung zum Luftschutzraum, bis sie bei dem Angriff auf Mülheim am 28.Oktober 1944 durch Bomben getroffen, im größten Teil ihrer
Bausubstanz zerstört wurde.“
Am 2.11.1945 konnte wieder ein behelfsmäßiger Unterricht abgehalten werden. Dieser fand für etwa 30 Schulkinder im Saal des Jugendheimes statt.
Nach Abzug der Besatzungssoldaten kehrte wieder ein geordneter Schulbetrieb ein.
Von
1945 bis 1953 besuchte Rolf Günter Wolfshohl die Buchheimer Schule. [Damals hatte die Volksschule nur acht Jahrgangsklassen] Der seit 1958 zur Weltspitzenklasse der Radprofis zählte (u. a. drei
Welt- und vierzehn deutsche Meistertitel). [Seine erste Trainingsrunden drehte er auf der Merheimer Heide.
Er verstarb am 18.9.2024 mit 85 Jahren und wurde am 1.10.2024 auf dem Kölner Melatenfriedhof beerdigt.]
Am Platz des Schulgebäudes von 1895 wurde von 1951 – 1953 ein Neubau mit Aula und Kindergarten errichtet. Die Stadtverordnete Frau Elisabeth Schäfer hat sich sehr dafür eingesetzt.
[Die
Kinder, die nicht der römisch -katholischem Kirche (z. B. Alt-Katholiken, Neuapostolische) angehörten, mussten nach Mülheim in die Fichteschule gehen. Sie hatte den Namen nach der Fichtestraße,
die zwischen der Schleiermacher und der Horststraße parallel zur Danzierstraße lag. Die Straße besteht nicht mehr. Der Bereich gehört heute zur Schule Horststraße. Der Anteil der nicht römisch –
katholischen Kinder erhöhte sich nach dem Zweiten Weltkrieg durch Familien aus dem überwiegend evangelisch geprägten Osten Deutschlands.]
1956 wurde neben der katholischen Volksschule auch die evangelische Volksschule in dem Gebäude untergebracht.
Der evangelische Pfarrbezirk Buchheim wurde 1959 aus dem Pfarrbezirk Mülheim – Süd [Predigtstätte Andreaehaus, Graf - Adolf - Straße 22] ausgegliedert und feierte seine Gottesdienste von 1959 bis 1962 in der Aula des Schulgebäudes Alte Wipperfürther Straße 49.
[Die evangelische Volksschule war in dem Gebäude an der Alten Wipperfürther Straße untergebracht und konnte einige Räume im Kellergeschoß der römisch – katholischen Volksschule an der Guilleaumestraße nutzen.
Während bei der evangelischen Volksschule gemischte Klassen hatten, waren die Schulklassen der römisch – katholischen Volksschule nach Jungen und Mädchen getrennt. Der Schulhof zur Alten Wipperfürther Straße wurde von den evangelischen Schulkindern und den römisch – katholischen Schuljungen genutzt- Allerdings zu anderen Pausenzeiten. Die römisch – katholischen Schulmädchen mussten sich mit dem kleineren Schulhof an der Guilleaumestraße zufriedengeben.
Weiter
zogen viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge aus dem Osten (heutigen Polen bzw. zwischenzeitlichen DDR) in die vielen Neubauten in Buchheim und die Zahl der Schulkinder stieg
enorm.]
Deswegen musste zu Beginn der 1960er Jahre Schulcontainer auf dem Schulhof [an der Wand zur römisch - katholischen Mauritiuskirche] aufgebaut werden.
Im Jahr 1962 zog die evangelische Volksschule in das Gebäude Alte Wipperfürther Straße 215 (heute Wuppertaler Straße 17 / Dellbrücker Straße). Seitdem wurden auch die evangelischen Gottesdienste in der Aula der neuen Schule gefeiert. Näheres hierzu im Kapitel „Kreuzkirche“.
Am 1. April 1963 wurde die römisch - katholische Volksschule „An Sankt Theresia“ ausgegliedert. Der Unterricht fand erst im Schulgebäude an der Alten Wipperfürther Straße 215 statt und viele Schulkinder von der Alten Wipperfürther Straße 49 gingen jetzt zu dieser Schule. Das neue Gebäude „An Sankt Theresia“ wurde erst am 2. 11. 1965 eingeweiht.
Ein großer Umbruch entstand Ende der 1960er Jahre. Das Ende des Schuljahres wurde von den Oster- auf die Sommerferien verlegt, an den Volksschulen wurden die Pflichtschuljahre von acht auf neun erhöht und viele Konfessionsschulen wurden zu Gemeinschaftsschulen. Die Volksschulen wurden in Grund- und Hauptschulen geteilt. In den Schulgebäuden an der Alten Wipperfürther Straße wurden eine Gemeinschaftsgrundschule (GGS Ahl Wipp) und eine katholische Grundschule (KGS [Alte Wipperfürther Straße]) eingerichtet.
[Auch im Gebäude der bisherigen römisch – katholischen Volksschule An Sankt Theresia wurden eine GGS und eine KGS gebildet. Letztere ist später in die GGS aufgegangen.]
Wieder stiegen die Schülerzahlen an den Grundschulen Alte Wipperfürther Straße und die Raumnot begann von neuem. Die Stadtverwaltung kaufte 1974 ein benachbartes Grundstück. Wegen umfangreicher Bau- und Renovierungsarbeiten wurden die Grundschulen im Schuljahr 1975 / 76 ausgelagert: Die ersten Schulklassen in die Hauptschule Wuppertaler Straße, die zweiten bis vierten Klassen wurden im Buspendelverkehr zur Schule Neufelder Straße in Holweide gefahren.
Walter Blickhäuser (Leiter der GGS), der 1989 verstarb, vermerkte in der Schulchronik: „Kinder, Lehrer und Eltern freuen sich auf ihre alte Schule im neuen Gewand.“
Im Frühjahr 1989 gründet sich der „Verein für Freunde und Förderer der katholischen Grundschule Alte Wipperfürther Straße“. Der Förderverein der GGS wird im Herbst 1990 gegründet und nennt sich heute „Förderverein Ahl Wipp e. V.“
Ende 1991 wurde an der KGS ein Schulchor gegründet.
Im
November 1992 nahm die KGS den Namen „Sankt – Mauritius – Schule“ an. [3]
Der
Neubau an der Alten Wipperfürther Straße wurde 1998 feierlich eröffnet.
[In ihm befinden sich sechs Klassenzimmer und Gruppenräume für den Offenen Ganztag. Kleinere Räume für Gruppenarbeiten und ein Büro für den Hausmeister.]
Im Jahr 2007 wurden die beiden Grundschulen offene Ganztagsschulen. [Der Offen Ganztag wird von beiden Grundschulen gemeinsam betrieben.
2019 feierten beide Grundschulen gemeinsam die 150 – Jahrfeier. Neben vielen Begegnungsmöglichkeiten in den Gebäuden fanden auch Darbietungen auf dem Schulgelände statt.]
[4]
Anmerkungen - Quellen und weiterführende Literatur
- Festschrift 100 Jahre
- Festschrift 125 Jahre Grundschule Klön - Buchheim 1869 - 1994
- Festschtift 150 Jahre Schulstandort Alte Wipperfürther Straße - Wir feiern!
- Schulchronik
Für noch nicht schulpflichtigen Buchheimer Kinder wurden auch Einrichtungen geschaffen.
Im „Bericht über die Verwaltung … der Stadt Mülheim am Rhein von 1901 – 1906 steht, dass: die katholische Vereinigung für soziale Wohlfahrtseinrichtungen am 1. Oktober 1901 eine Bewahrschule in Buchheim,
Alte Wipperfürther Straße 66 / 68 mit 100 Kleinkindern eröffnete. Im Jahr 1906 betreute sie in Buchheim 65 Kinder, vier Jahre später 85. Die evangelische Kirche errichtete 1904 eine Kleinkinder – Bewahrschule an der Berliner Straße.
Kinder aus Buchheim, die weiterführende Schulen besuchen wollten (viele werden es nicht gewesen sein), mussten nach Mülheim gehen.
Allerdings ist das Johann – Gottfried – Herder – Gymnasium aus einem alten Mülheimer Gymnasium hervorgegangen.
Im Jahre 1830 entstand in der Mülheimer Adamsstraße die erste „Höhere Bürgerschule“ (Realschule), die von Jungen und Mädchen besucht wurde. Später wurde die Schule ein Gymnasium mit Realschule. Aus der Kurzchronik des Johann – Gottfried – Herder – Gymnasiums: „Jahr 1912 Aufspaltung in das „städtische Reformrealgymnasium“ und das „staatliche humanistische Gymnasium“, das heutige Hölderlin - Gymnasium. Etwa 1920 Umwandlung des Realgymnasiums Mülheim in ein „neusprachliches Gymnasium“ (Schwerpunktfächern Englisch und Französisch).“ Von 1933 bis 1945 erfolgte die Differenzierung seiner Oberstufe in einen neusprachlichen und einen mathematisch – naturwissenschaftlichen Bereich.“ Die Zunahme der Schülerzahlen nach dem zweiten Weltkrieg führte dazu, dass der Kölner Stadtrat 1955 u. a. beschloss, in Buchheim ein neusprachliches Gymnasium mit den
Fremdsprachen Englisch, Latein und Französisch zu errichten.
Nach den Osterferien 1956 begann das neusprachliche Gymnasium mit zwei Sexten (5. Klasse / 71 Schüler) im
Gebäude des mathematisch - naturwissenschaftlichen Gymnasiums (heute Rheingymnasium), Düsseldorfer Straße 13. Da der Neubau noch in den Vorplanungen steckte, musste das neusprachliche Gymnasium
im Januar 1958 nach Kalk in die Falkensteinstraße ziehen.
Weiter aus der Kurzchronik: „1. Sept. 1962 Unter Führung der Klassenlehrer marschieren die 16 Klassen von dem Behelfsgebäude in Kalk nach Buchheim, um das fertig gestellte
Schulgebäude zu beziehen.“
Kurze Zeit drauf wurde das neue Gymnasium nach dem deutschen Dichter und Theologen Johann Gottfried
Herder benannt.
Herder wurde 1744 in Mohrungen / Ostpreußen geboren 1776 zog er nach Weimar (Herzogtum Sachesen - Weimar) 1802 wurde er geadelt. J. G. von Herder starb 1803 in Weimar.
https://www.literaturwelt.com/johann-gottfried-von-herder/
Berufsbildende Schulen
Die katholische Vereinigung für soziale Wohlfahrtseinrichtungen errichtete im Oktober 1902 in der Alte Wipperfürther Straße 66 / 68 eine Handarbeits- und Bügelschule. (Haushaltungsschule für schulentlassene Mädchen) Die Anzahl der unterrichteten Mädchen stieg von 7 (1902 / 03) auf 12 (195 / 06).
Kaufmännische Ausbildung
Aus der Festschrift 1965 – 2015 – 50 Jahre EGB: „Gründung des bis heute jüngsten Berufskollegs mit
kaufmännischen Bildungsgängen. Die Kaufmännische Schule VII startet mit Einzelhandel, Bürokaufleuten, Postjungboten, Steuerfachangestellten und Handelsschule und muss den Unterricht in fünf verschiedenen Standorten innerhalb Kölns durchführen.“
Das Richtfest wird der Schule wird 1968 an der Beuthener Straße gefeiert.
1970 wird das Schulgebäude bezogen. Der Eingang liegt an der Modemannstraße, die nach einem ehemaligen Volksschullehrer von der Alten Wipperfürther Straße benannt wurde. Das Berufskolleg wird
1999 nach dem ehemaligen Direktor des Seminars für allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln in „Erich – Gutenberg – Berufskolleg“ umbenannt.
[Das EGB beteiligt im Rahmen der Möglichkeiten auch an Aktivitäten in Buchheim. Die Schule und auch Personen der Schule sind bereits ausgezeichnet worden.]
Schulzentrum Dialog
Am 6.8.2007 wird das deutsch – türkische Privatgymnasium Dialog gegründet, nachdem die Bezirksregierung Köln die Genehmigung erteilt hat. Der Trägerverein ist der Deutsch – Türkische Akademikerbund (DTAB). Die Räume im ehemaligen Arbeitsamt werden bezogen. Die Europamedaille wurde der Schule am 18.4.2008 verliehen.
Zwei Jahre später wird es umbenannt in Gymnasium Dialog.
Da die Räumlichkeiten zu gering waren, wurde ein Anbau neugebaut.
Zusätzlich wurde noch eine Realschule eingerichtet.
Das Schulzentrum Dialog wird 2017 in Schulzentrum Buchheim umbenannt und besteht aus dem Ferdinand –
Franz – Wallraf – Gymnasium (benannt nach dem Kölner Gelehrten und Theologen) und der Werner – Heisenberg – Realschule (benannt nach dem deutschen Physiker).
(GT / GP)
Haus Herl mit Mühle und Kapelle
[Anm.: Zur ersten urkundlichen Erwähnung von Haus Herl (Herler
Burg)
in Jahr 1025 erscheint in 2025 eine erweiterte Broschüre zu Haus Herl]
In der Zeit vor 1800 war das Gebiet um Buchheim, wie andere Regionen des rechtsrheinischen Köln auch, weitgehend landwirtschaftlich genutzt. Äcker, Fluren, Weiden und einzelne inmitten dieser Landschaft liegende Höfe und Güter prägten die von kleinen Bächen durchzogene Landschaft. Das umliegende Land war aber zum größten Teil nicht Eigentum der Bauern, sondern gehörte einem Grundherrn, der das Land gegen bestimmte Abgaben an die Bauern vergab. Die Grundherren waren meistens Adelige oder geistliche Institutionen aus der näheren Umgebung, die das Gebiet von einem Herrenhof aus verwalteten (siehe Kap. 1 und 3). Von dieser bäuerlichen Landschaft, die über Jahrhunderte von dieser Wirtschaftsweise geprägt und geformt wurde, ist im Gebiet des alten Buchheims in unseren Tagen nichts mehr erhalten geblieben. Eisenbahn, Straßen, Geschäfte, Industriebetriebe und ausgedehnte Wohngebiete haben die Landschaft in dem letzten Jahrhundert so stark überformt, dass nur noch sehr wenig an deren frühere Gestaltung erinnert.
Nur am Rande des heutigen Ortsgebietes von Buchheim hat sich mit Haus Herl ein seit dem Mittelalter bestehender Herrenhof mit all seinen charakteristischen Bauteilen (Herrenhaus, Wirtschafts-, Stallgebäude, Kapelle und Mühle) erhalten. Da Herrenhaus und Hofgebäude ehemals von einem Wassergraben und einer Umfassungsmauer umgeben waren, gehört die Anlage zu dem Typus der rheinischen Wasserburgen und wird heute auch als Burg Herl bezeichnet. In den Schriftquellen des 11.–19. Jh. ist jedoch niemals von der „Burg Herl“, sondern nur von dem „Hof Herl“ oder in Bezug auf den damaligen Patron der Kapelle vom „Hof St. Mamerti“ oder in sprachlicher Verderbtheit vom „Hof Sent Maenert“ die Rede. Der Hof wird noch heute landwirtschaftlich genutzt und so haben sich in der näheren Umgebung ländliche Strukturen bewahrt, die die vorherrschend bäuerliche Lebensweise der vergangenen Jahrhunderte noch erahnen lassen. Folglich lässt sich in diesem „Rest“ einer gewachsenen Kulturlandschaft anschaulich erfahren und begreiflich machen, „wie es einmal aussah und gewesen ist“ in den Dörfern und Weilern rechts des Rheins.
Nähert man sich zu Fuß von Buchheim vom Buchheimer-Kreuz entlang der Strunde dem Haus Herl durchschreitet man zunächst einen kleinen, dichten Wald, der sich alsbald auflockert und von Busch- und Strauchwerk dominiert wird. Nur kurze Zeit später öffnet sich die Landschaft und geht über in eine weitläufige Acker- und Wiesenfläche, die spätestens seit dem 15. Jh. als „Paradyse“ bzw. heute noch als „Paradies“ bezeichnet wird. An deren östlichen Rand erblickt man die ausgedehnten Gebäudekomplexe von Haus Herl windgeschützt inmitten eines alten und reichen Baumbestandes (siehe Kap. 14).
Obwohl Haus Herl in den schriftlichen Quellen seit Anfang des 11. Jh. belegt ist, reicht der heutige Baubestand nicht vor die Mitte des 17. Jh. zurück. Die im Kern barocke zweiteilige Anlage besteht aus Haupt- und Vorburg, die ehemals beide von einem Wassergraben umschlossen waren.
Abb. 11 Haus Herl, Herrenhaus mit Nordturm
Von diesem haben sich im Süden der Anlage lediglich Reste erhalten, die heute den Charakter eines Teiches haben. Zugänglich
war die Burg von der Ostseite, wo im Bereich der heutigen Zufahrt eine Brücke den Wassergraben überspannte. Früher bestand dort im Zusammenhang mit einer hohen Umfassungsmauer ein Torhaus mit
innerem Tor und äußerer Zugbrücke, das in einer Urkunde aus dem Jahr 1601 noch ausdrücklich erwähnt wird (vergleichbar den erhaltenen Torhäusern von Haus Schlagbaum und der Isenburg). Bei der
Hauptburg handelt es sich heute um einen schmucklosen über einem hohen Kellergeschoß errichteten zweigeschossigen Rechteckbau mit Walmdach. Flankiert wird die Anlage in der Südwest- und
Nordostecke von zwei Türmen, wobei das Turmgebäude der Nordseite zur Hälfte abgetragen ist und gänzlich im 19. Jh. baulich überformt wurde. Beide Türme waren ursprünglich gleich hoch und wurden
von einer welschen Haube bekrönt (Abb. 12).
Abb. 12 Haus Herl, Kartenausschnitt von 1772
Hofseitig weist das Gebäude einen einfachen Dreiecksgiebel auf, unter dem eine kleine Freitreppe zum Eingang hinaufführt. Oberhalb der Türrahmung befindet sich ein „sprechendes“ Wappen, in dessen Schild eine Gürtelschnalle mit einem Dorn in Form eines „Nagels“ zu erkennen ist. Das Wappen verweist auf den Erbauer der Anlage Matthias von Nagel, der seit 1651 auf Herl lebte und die Hauptburg nach Ausweis der eisernen Gebäudeanker im Jahre 1663 erneuerte. Die Existenz älterer Bausubstanz in dem heute bestehenden Bau (insbesondere in den Fundamenten und Sockeln der Türme) ist zwar sehr wahrscheinlich, aufgrund fehlender bauhistorischer Untersuchungen aber nicht näher zu präzisieren. Dies ist gänzlich anders bei den nördlich sich anschließenden Wirtschaftsgebäuden, die in ihrer heutigen Gestalt erst 1876 errichtet wurden. Hier erkennt selbst der Laie sofort die in den Neubau integrierte ältere Bausubstanz, die aus dem 16./17. Jh. stammen wird.
Geschichte von Haus Herl
Für die Rekonstruktion der Geschichte von Haus Herl liegt eine reiche schriftliche Überlieferung vor. Die älteste urkundliche Erwähnung datiert vom 3. Januar 1025, als König Konrad II. (1024 - 1039) der Benediktiner Abtei Deutz den Hof, die Mühle und die Kapelle in Herl im Deutz-Gau übereignete. Dieses Gut hatte der König selbst erst vor kurzem von einem Mann namens Wicher (Wigeri) geerbt. Haus Herl dürfte damit deutlich älter sein, als die erste urkundliche Erwähnung vermuten lässt. In dieser und etwas späteren Urkunden wird Herl als Hernin oder Herine bezeichnet. Dies geht zurück auf das althochdeutsche Wort haranni, das so viel wie „Siedlung am Hang“ bedeutet. Tatsächlich ist noch heute diese Hanglage im Gelände von Nordwesten aus gut zu erkennen, schmiegen sich doch Burg und die etwas höher gelegene Kapelle an den Hang eines langestreckten Hügels, der die erste nennenswerte längere Steigung darstellt, wenn man von der Rheinniederung aus sich nach Osten wendet. Für knapp 130 Jahre war nun Haus Herl im Besitz der Abtei Deutz (letzte urkundliche Erwähnung 1147). Erst um die Mitte des 12. Jh. scheinen sich die Besitzverhältnisse grundlegend geändert zu haben. Möglicherweise gelangte Haus Herl schon in dieser Zeit in die Hände der Grafen von Berg, der weltlichen Schutzherren (Vögten) der Abtei Deutz. Diese haben es dann schließlich als Lehensgut weitergereicht. So bildete sich im 12–13. Jh. kurzzeitig ein niederadeliges Geschlecht heraus, das sich nach dem Namen des Hofes „von Herl“ nannte. Der bekannteste Vertreter war Heinrich von Herl, der 1278 im Rang eines Ritters (miles) bei der Aussöhnung zwischen Adolf Graf von Berg und Siegfried Erzbischof von Köln die ehrenvolle Aufgabe des Schiedsrichters des Grafen versah.
Zwischen 1299-1391 war Herl Mittelpunkt eines Hofverbandes, zu dem Güter in Merheim, Brück, Wichheim, Mülheim und Stammheim gehörten. In dieser Zeit tagte mehrmals jährlich zu festen Terminen ein Hofgericht ( sog. ungebotenes Geding) auf Haus Herl, das der Regelung der Angelegenheiten der einzelnen Höfe untereinander und der der Höfe mit dem Grundherren diente. Im Jahre 1403 gelangte Haus Herl als herzoglich bergisches Lehen an den Ritter Peter von Kalkum, ein bedeutendes Mitglied eines überaus streitbaren Geschlechtes. So waren die von Kalkums erklärte Gegner des Erzbischofs von Köln und befehdeten sich mit diesem schon seit längerer Zeit. Folglich drohten rauhe Zeiten für Haus Herl. Schon im Herbst 1405 erklärte der Erzbischof den Kalkums den Krieg und brannte nicht nur Ratingen und das Stammhaus der Kalkums bei Düsseldorf nieder, sondern suchte auch Haus Herl heim. Kurze Zeit später ergriff Peter bei Mülheim einen Parteigänger des Erzbischofs, der Peters Bruder Ludekin enthauptet hatte, forderte eine hohe Geldsumme von ihm und als dieser nicht zahlen konnte, hängte er ihn kurzerhand an einem Baum auf. Es drohte erneuter Krieg. Erst mit der endgültigen Aussöhnung zwischen Peter und der Stadt Köln im Jahre 1408 brachen in Herl kurz ruhigere Zeiten an. Aber am 16. August 1416 zogen die „Kölnischen“ während des „Mülheimischen Kriegs“ mit 200 gepanzerten Reitern gegen die „Bergischen“ und plünderten, raubten und brandschatzten Brück, Merheim und Schweinheim. Bei dieser Offensive wurde zwei Tage später auch das befestigte Herl von den „Kölnischen“ eingenommen und geplündert. Im Laufe der nächsten Jahrhunderte wurden dann verschiedene bedeutende bergische Familien (von Quadt, Schenk von Nideggen, Stael von Holstein u.a.) mit Haus Herl belehnt; sehr viel friedlicher wurden die Zeiten aber auch nicht. So wurde während des Truchsessischen Krieges (1583), diesem erbitterten Kampf zwischen dem zum Protestantismus übergetretenen Kölner Erzbischof Gebhard Truchsess und dem „neuen“ vom Papst unterstützten katholischen Erzbischof Ernst von Bayern, Herl nochmals schwer verwüstet und noch 1589 galt die Hofkapelle bedingt durch die Kriegseinwirkungen als baufällig. Im Jahre 1646 schließlich wurde Haus Herl vom Herzog von Berg aus der Lehnschaft entlassen und war fortan ein eigenständiger erblicher Rittersitz, dessen Inhaber das Recht hatte, am Landtag in Düsseldorf teilzunehmen. 1651 gelangte der schon erwähnte Matthias von Nagel durch Heirat in den Besitz von Haus Herl und errichtete 1663 das noch heute stehende Herrenhaus. Die Familie von Nagel hatte Herl über mehrere Generationen bis 1760 im Besitz und nannte sich von Nagel zu Herl. In der Folgezeit wechselten die Besitzer häufiger. Im Jahr 1804 war es im Besitz von Karl Friedrich Freiherr von Wendt (1747–1825), Weihbischof und letzter Domprobst zu Hildesheim, der sich sehr um den Erhalt von Burg und Kapelle bemühte. 1825 konnte der Kölner Kaufmann Victor Bürgers Haus Herl erwerben, dessen Nachfahren es bis 1924 besaßen. Danach erwarb es die Stadt Köln und richtete kurzzeitig ein Wohnheim für alte Männer in seinen Mauern ein. Seit 1946 ist es im Besitz der Familie Schlaghecken und wird heute als landwirtschaftlicher Betrieb mit angeschlossenem Reitstall geführt.
Die Herler Kapelle
Südlich von Haus Herl befindet sich auf einer Hügelkuppe - am Rande eines Landschaftsparks aus dem Ende des 18. Jh. - die kleine Hofkapelle „St. Johannes Nepomuk“. Der böhmische Nationalheilige Nepomuk war im 14. Jh. Beichtvater der böhmischen Königin. Da er deren Mann, König Wenzel, den Inhalt der Beichten nicht verraten wollte, ließ der ihn foltern und schließlich von einer Brücke in die Moldau werfen. Im Jahr 1729 für seine Standhaftigkeit heiliggesprochen, ist er bis heute der Patron der Müller und Priester und ein beliebter „Brückenheiliger“ (Fest 16. Mai). Es handelt sich bei der Herler-Kapelle im Kern um einen einfachen Bau aus der Mitte des 18. Jh. mit abgeschrägten Ecken und Fenstern mit Hausteinrahmung. Er misst heute in der Länge 11,20 m und in der Breite 6,60 m. Das Dach wird bekrönt von einem offenen Dachreiter, in dem eine Glocke aus dem Jahre 1505 hängt. Die Kapelle verfügt über einen Eingang in der Westwand (heute durch den Sakristeianbau des Architekten Karl Band von 1956 verdeckt), der vom Park aus zugänglich war und allein der Gutsherrschaft diente. Ein weiterer Eingang in der Südwand war der einfachen Bevölkerung der Umgebung vorbehalten, die aufgrund der Parkrandlage der Kapelle bei einem Besuch des Gotteshauses den herrschaftlichen Park nicht betreten musste. An der Außenseite des Chores befand sich ein Kreuz und darunter eine steinerne Kniebank, die noch heute efeuumrankt erhalten ist. Die reiche Innenausstattung von 1757 ist heute bis auf ein Kruzifix und zwei Sitzbänke verloren. Erhalten blieb jedoch die 1804 von Karl Friedrich Freiherr von Wendt gestiftete Steinfigur des Hl. Nepomuk, die auf einem hohen Sockel bis 1920 an einer Brücke über den Faulbach gegenüber dem Eingang von Haus Herl unter zwei Kastanien aufgestellt war. Sie befindet sich heute im Garten von Haus Herl.
Abb. 13 Herler Kapelle, Gesamtansicht von Süden mit Sakristeianbau von 1956
Abb. 14 Herler Kapelle, Innenansicht mit Kruzifix und Sitzbänken von 1757
Die Nepomuk-Kapelle ersetzte einen oder mehrere mittelalterliche Vorgängerbauten, auf denen sie vermutlich direkt aufsitzt.
Die älteste Erwähnung einer mittelalterlichen Kapelle in Herl findet sich in der schon erwähnten Schenkungsurkunde von König Konrad II. und datiert in das Jahr 1025. Wie dieser Bau aussah, wie
lange er schon vor dieser Zeit bestand und ob er überhaupt in Stein errichtet war, ist aufgrund fehlender archäologischer Untersuchungen unbekannt. Die weiteren mittelalterlichen Vorgängerbauten
waren nach Ausweis schriftlicher Quellen alle dem Hl. Mamertus geweiht. Der Hl. Mamertus, der im 5. Jh. Erzbischof von Vienne war und zu den karolingischen „Hofheiligen“ gehörte, wird heute noch
als Patron der Ammen und der Feuerwehr verehrt (Fest 11. Mai). Mutterkirche der Kapelle war St. Gereon zu Merheim, die als Pfarrkirche (ecclesia) wohl
schon seit dem 7./8. Jh. neben dem dortigen Fronhof existierte. Gemäß einer Stiftung des 16. Jh. musste der Pastor von Merheim in der Herler Kapelle „alle
freitags Messe halten, wie auch die Inhaber des Hoffes fordern, muss er in der kapelle Messe halten“. Dafür verpflichtete sich der Herr auf Herl, ihm 5 Malter Roggen und Hafer jährlich zu
liefern und für das Vorhandensein von Kerzen, Wein, Paramenten und den anderen liturgischen Geräten in dem kleinen Gotteshaus Sorge zu tragen.
Seit 1643 war die Mamertus-Kapelle Ausgangspunkt einer großen Prozession von Herl zum Gnadenbild der „Schmerzhaften Muttergottes“ in der Pfarrkirche von Merheim. Initiator der Prozession war die „Bruderschaft der Sieben Schmerzen der Mutter Jesu zu Merheim“, die diese Bittprozession ins Leben rief, um für den Frieden zu beten, tobte doch noch immer in Deutschland der „Dreißigjährige Krieg“. Zu dieser bedeutenden Bruderschaft gehörten nicht nur Mitglieder des Rates der Stadt Köln und viele Adelige der Umgebung, sondern auch Erzbischöfe und selbst Papst Urban VIII. ist im Verzeichnis der Bruderschaft als „Stifter und Gifter“ eingetragen. Für die Prozession wurden von der vermögenden Bruderschaft im Jahr 1641 entlang eines Feldweges von Herl nach Merheim sieben Fußfallstationen, also Bildstöcke mit hölzerner Kniebank, errichtet. Die an den Bildstöcken angebrachten Bildtafeln stellten jeweils einen Schmerz Mariens dar (1. Darbringung im Tempel und Weissagung des Simeon; 2. Flucht nach Ägypten vor Herodes; 3. Verlust des zwölfjährigen Jesu im Tempel; 4. Jesus trägt das Kreuz; 5. Kreuzigung Jesu; 6. Kreuzabnahme Jesu; 7. Grablegung Jesu). An jeder Station mussten die Teilnehmer auf die Knie fallen und verschiedene Gebete und Gesänge vortragen, die durch Erklärungen und Ermahnungen des Pfarrers ergänzt wurden. Auf dem Weg zwischen den Stationen wurden jeweils fünf „Vater unser“ und fünf „Ave Maria“ gebetet. Diese Prozessionen wurden bis in das Ende des 19. Jh. abgehalten.
Abb. 15 Rollfink‘s Hüüsge mit Fußfallstation
Von den insgesamt sieben ehemaligen Stationen sind heute nur noch zwei erhalten. So steht heute auf der Ecke Buchheimer Ring /Schlagbaumsweg die erste Station, die von ihrem ursprünglichen Standort (Rollfink’s Hüüsge; siehe Abb. 15) auf der gegenüberliegenden Straßenseite dorthin versetzt wurde. Die Bildtafel „Darbringung im Tempel und Weissagung des Simeon“ stammt erst aus der Mitte des 19. Jh.. Die zweite erhaltene Station (Station 7: Grablegung Christi) befindet sich am Ende der Fußfallstraße / Ecke Ostmerheimer Str. in Merheim kurz vor der Pfarrkirche.
Die Herler Mühle
Östlich von Haus Herl liegt an der Strunde, geschützt von einem alten Baumbestand, die „Herler Mühle“. Die heutige Anlage, die um einen quadratischen Hof angelegt ist, besteht aus einem schieferverkleidetem Wohnhaus, einem Mahlhaus mit erhaltenem Mühlrad, Scheune, Stallungen und Wagenremise. Fast alle Gebäude gehören zu großen Teilen in das 18. Jh. Das direkt an das Wohnhaus angebaute Mahlhaus (18./19. Jh.) verfügt noch heute über ein mächtiges „unterschlägiges“ Wasserrad. Dabei „schlägt“ das Wasser im „unteren“ Teil auf die Schaufeln des Rades und dreht dieses durch seinen Strömungsdruck. Entscheidend für den Antrieb ist dabei die Geschwindigkeit des Wassers. Um diese zu erhöhen wird der Bachlauf kurz vor dem Rad verengt und kanalisiert. All dies ist auf der Nordseite des Mahlhauses noch heute gut zu erkennen.
Abb. 16 Herler Mühle, Mahlhaus mit Mühlrad und Herrenhaus von Norden
Zwar ist die Existenz einer zu Haus Herl gehörigen Mühle schon durch die Schenkungsurkunde König Konrads II. von 1025 gesichert, aber ob diese älteste Mühle auf dem Gelände der heutigen Mühlenanlage zu lokalisieren ist, ist völlig unbekannt. Erst durch eine Urkunde von 1601 wird ersichtlich, dass die Mühle zu dieser Zeit unweit östlich von Haus Herl an der Strunde lag (..Toren und Falldoren des Hofes..aufgetan, ferner zu dem Mühlenhaus und zur Mühlen gegangen so allernächst bei ermelten Hof gelegen und darein gehörig). Frühe Urkunden zu der Mühle sind spärlich. 1584 wird sie als „Schenkenmühle“ nach dem damaligen Herren von Herl, Otto Schenk von Nideggen, genannt und in einer Klageschrift von 1597 als Foelmuhlen (von lateinisch fullo = Walker), in der Tuch gewalkt wurde, beschrieben. Im Jahre 1733, die Mühle diente mittlerweile dem Mahlen von Getreide und Öl, wurde sie aus dem Gesamtbesitz von Haus Herl ausgelöst und konnte als selbständiger Eigenbesitz weiter veräußert werden. Im Jahr 1744 als Schleifmühle bezeugt, die zum Schärfen von Werkzeugen diente, erfolgte in der zweiten Hälfte des 18. Jh. der wirtschaftliche Niedergang der Mühle. Im Jahre 1814 kaufte der Rentmeister Jacob Ringen d. Ältere, der als Verwalter von Weihbischof Karl Friedrich von Wendt die Besitzungen in Herl leitete, die Mühle von Franz van den Bergh und ließ sofort Mahlhaus und Mahlwerk auf den neusten Stand bringen und leitete so einen wirtschaftlichen Aufschwung ein. In den folgenden knapp 150 Jahren blieb die Mühle (nun als „Ringenmühle“ bezeichnet) im Besitz der Familie Ringen und ihrer Nachfahren und diente dem Mahlen von Getreide und Öl. Von 1926 bis 1958 wurde in der Mühle dann nur noch Getreide der Bauern aus der Umgebung gemahlen. Seit 1960 ist die Mühlenanlage im Besitz der Familie des Architekten Nikolaus Rosiny (1926–2011). Rosiny, der selber aus einer Müllerfamilie stammte, rettete das ganze Ensemble vor dem drohenden Verfall und ließ es renovieren und behutsam umbauen. Dabei richtete er unter Beibehaltung des alten Mahlwerkes Wohnungen und Arbeitsräume in der Anlage ein, die noch heute als „Mehrgenerationenhaus“ von der Familie Rosiny genutzt werden.
(C.E.)
13. Befestigungen und Grünanlagen
Städte waren im Gegensatz zu Dörfern befestigt. Die Befestigungen Mülheims wurden aber auf Druck der Reichsstadt Köln immer wieder „geschleift“, d.h. eingeebnet. Köln selber war im Mittelalter von einer hohen Mauer samt Graben umgeben, in der beginnenden Neuzeit auch durch davorliegende dreieckige Bastionen. Als das Rheinland und Westfalen 1815 preußisch wurden, begannen die neuen Herren sofort, modernere Festungswerke zu bauen. Gegen 1870 nahm die Reichweite der Artilleriegeschütze sehr zu, darum errichtete man nun in beträchtlicher Entfernung vom Zentrum der Stadt (z.T. mehr als 8 km) einen Ring von Forts, kleinen Festungen, der auch Mülheim, Buchheim und Stammheim einschloss. Die Forts bestanden im Prinzip aus niedrigen, „bombensicheren“ Bauwerken, auf denen die Geschütze standen und in welchen die Soldaten wohnen konnten. Das Ganze stand in einer großen Grube, über deren Rand die Bauwerke nur wenig hervorragten. Nach dem Ersten Weltkrieg verlangten die Sieger die Zerstörung dieser Anlagen. Der Stadt Köln gelang es aber, unter Oberbürgermeister Adenauer, einige Bauten, z.B. die Kasernen, zu retten. Dazu gehört auch das Fort XI. Es wurde 1877-79 gebaut und liegt in dem Park an der Piccoloministraße. Man folgt dem Weg zu den Tennisplätzen, dieser senkt sich bald, und dann geht eine schmale Straße hinunter in den sogenannten Kehlgraben, aus dem sich die zweistöckige „Kehlkaserne“ erhebt. Hinter deren Tor führt der „Haupthohlgang“ hinauf auf das „Plateau“ des Forts, wo die Geschütze standen. Rechts und links vom Haupthohlgang befanden sich die Unterkünfte der Besatzung, die Munitionsmagazine und, ganz am Ende, die Latrinen. Alle Räume lagen unter dicken Gewölben aus Ziegelsteinen, auf denen später, als die Geschützmunition mehr Durchschlagskraft bekam, eine Schicht Sand und eine meterdicke Betondecke aufgebracht wurden. Die großen Fenster wurden weitgehend zugemauert, bis auf Schießscharten. Auch die Lüftungslöcher, die man überall im Mauerwerk erkennen kann, blieben offen.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Betondecken beseitigt, die Fenster wieder geöffnet und der Graben im
Osten zugeschüttet. Hier, auf der „Feindseite“, zieht sich seitdem eine Wiese hinauf zum Plateau des Forts, auf welchem ein „Spielplatz“ angelegt wurde, den heute eine aus der Form geratene Hecke
umgibt. Der größte Teil des militärischen Geländes wurde mit Bäumen bepflanzt, von denen einige, nach fast 100 Jahren, stattliche Ausmaße erreicht haben. Das Fort sollte nur im Kriegsfall, den es
nicht erlebte, mit Geschützen „armiert“ und von Soldaten besetzt werden. Ungefähr 900 Mann hatten hier Platz. Eine kleine Mannschaft des Regiments,
das in der Hacketäuerkaserne im Norden Mülheims untergebracht war, bewachte die Anlage. Sie hielt sich vermutlich in dem niedrigen „Blockhaus“ links vom Eingang auf.
Außer den Forts gab es noch sogenannte Zwischenwerke und Infanteriestützpunkte. Ein Zwischenwerk (Nummer
XIa) befand sich beim heutigen Turnerheim. Hier hat der Mülheimer Turnverein auf einen Teil der nur ebenerdigen Kehlkaserne ein Obergeschoß gesetzt. Das Haupttor mit seinen Natursteinquadern und
dem Bogen aus Ziegeln ist noch erhalten, und durch den engen, gewölbten Haupthohlgang begeben sich heute die Vereinsmitglieder auf die Sportplätze, die auf den eingeebneten militärischen Anlagen
liegen. Rechts und links von der Kehlkaserne gibt es noch, wie beim Fort XI, tiefe Gräben mit steilen Hängen: düstere Örtlichkeiten voller Gestrüpp, die sich vielleicht als Abenteuerspielplätze
eignen würden.
Von einem weiteren Zwischenwerk (Xc) sind dürftige Reste auf dem Grundstück des Reitvereins südlich von
der Herler Mühle übrig geblieben. Ganz verschwunden ist der Infanteriestützpunkt, der gegenüber von Haus Herl lag, auf dem Feld, wo heute der Blumenkiosk steht. Hier findet man nach dem Pflügen
noch reichlich Bruchstücke von Ziegeln. Ein weiterer Stützpunkt lag da, wo sich heute die westliche Auffahrt auf die
A 3 befindet.
Zwischen den Forts wurde eine Verbindungstraße angelegt. Linksrheinisch heißt sie heute noch durchgehend „Militärring“, rechtsrheinisch benannte man sie später Mülheimer Ring, Herler Ring, Buchheimer Ring usw. Das Gelände in und vor dem Festungsring, der über 1000 m tiefe „Rayon“, durfte nicht bebaut werden. So konnten in diesem Gebiet nach dem Ersten Weltkrieg, als die Sieger die Zerstörung aller Befestigungen im Rheinland verlangten, große Grünanlagen geschaffen werden, und es war auch Platz für die „Reichsautobahn“, die heutige A 3. Auch einige der Äcker von Haus Herl, dem heute einzigen landwirtschaftlichen Betrieb von Buchheim, liegen in diesem Bereich.
Die Merheimer Heide zwischen Schlagbaumsweg und Olpener Straße war ein großer Exerzierplatz. Wir können
uns ausmalen, wie die auf den Straßen spielenden Kinder im Gleichschritt die dorthin marschierenden Kolonnen des Mülheimer Infanterieregiments, der „Hacketäuer“, begleiteten; oder wie es sich
herumsprach, wenn die Deutzer Kavallerie, die Kürassiere in ihren weißen Uniformen und spiegelblanken Brustpanzern, dort übten, wie man mit gesenkten Lanzen eine Attacke reitet. Dann war die
Ringstraße sicher mit zahlreichen Zuschauern besetzt, die stolz auf das deutsche Heer waren, in dem viele selbst gedient hatten und von dem sie glaubten, dass es allen anderen Armeen der Welt
überlegen sei. (G.T.)
14. Bäume
Gibt es noch Buchen in Buchheim? Gemeint ist die „Rotbuche“, wissenschaftlich „Fagus silvatica“ genannt, die ursprünglich zusammen mit den Eichen den Hauptbestand unserer deutschen Wälder bildete. Sie wird manchmal 30-40 m hoch, hat einen Stamm mit silbergrauer Rinde und – im Wald – eine sehr hoch angesetzte Krone, so dass ein Buchenwald einer Säulenhalle gleicht. Auch bei uns stehen einige schöne Buchen, so z.B. in der Anlage gleich links vom Turnerheim, am Weg, der von der Piccoloministr. zum Fort XI führt, im Park der Herler Burg und – jüngere Exemplare – am Zaun des evangelischen Kindergartens. Der größte Baum von Buchheim und vielleicht der älteste von ganz Köln ist aber keine Buche, sondern eine Edelkastanie, die im Garten der Herler Burg steht. Sie ist, wie man sagt, 600 Jahre alt und hat einen Umfang von ca. neun Metern. An ihren Ästen hängen Schaukeln, und wir dürfen uns vorstellen, dass an diesem Baum 15 oder gar 20 Generationen von Kindern geschaukelt haben. Es ist übrigens erstaunlich, dass eine Edelkastanie, ein Baum, der ursprünglich nur südlich der Alpen wuchs, die vielen harten Winter früherer Jahrhunderte überstanden hat. Essbare Früchte, Maronen, liefert er allerdings nicht jedes Jahr. Ein anderer Baum ist geradezu ein Wahrzeichen von Buchheim geworden, die Platane, die an der Einmündung der Guilleaumestraße in die Frankfurter Straße wächst. Sie bietet ein Idealbild ihrer Art. Schon in ungefähr drei Metern Höhe verzweigt sie sich und breitet ihre Äste über den ganzen kleinen Platz und sogar die Straßen aus. Große Platanen stehen auch am Buchheimer Ring, die größte aber, mit über vier Metern Umfang, an der Südwestecke von St. Mauritius. Platanen haben die Eigenart, ihre braun gewordene alte Borke in großen Platten abzuwerfen, so dass ein oder zwei neue Jahrgänge, grau und gelb gefärbt, sichtbar und die Stämme scheckig werden.
Falls Sie weitere Baumarten kennenlernen wollen, schlagen wir Ihnen folgenden Spaziergang vor: An der
Alten Wipperfürther Straße stehen vor dem Chor der Kirche zwei Bergahorne mit ihren fünfzackigen Blättern, dazwischen zwei Linden. An der Herler Straße, vor „Alt Buchheim“, können sie im Sommer
den Halbschatten genießen, den die lichten Kronen der Gleditsien oder Lederhüllen-bäume werfen. Ihre Blätter sind gefiedert, d. h. sie bestehen aus langen Stielen, an denen kleine Blättchen
sitzen. Am Anfang der Johanniterstraße finden wir junge Roteichen – jung, denn ausgewachsen können sie 35 m hoch werden. Die Blätter dieses aus
Nordamerika stammenden Baumes färben sich im Herbst leuchtend rot. Vor dem Haus Johanniterstr. 113 reckt eine Esche ihre mit gefiederten Blättern besetzten Äste in den Himmel, gegenüber steht ein
sehr hoher Bergahorn, an dessen linker Seite einige Weißbuchen wachsen, die, ihre Früchte zeigen es, nicht näher mit der Rotbuche verwandt sind.
Bei Haus 119 steht eine Eiche. Dass die Bäume vor dem grünen Mietshaus an der Dellbrücker Straße Birken
sind, erkennt man an ihrer weißen Rinde. Gehen sie nun an der Post entlang und dann rechts in das Gelände der Häuser Stegwiese 2 - 20 hinein. An der
Treppe steht ein Spitzahorn mit scharf gezackten Blättern, und dann können sie drei mächtige Nadelbäume sehen, die einen sonderbaren Namen haben: Tränenkiefer. An den langen grünen Zapfen, die es
im Sommer gibt, bilden sich tränenartige Harztropfen, die wie Diamanten funkeln, wenn sich das Sonnenlicht in ihnen bricht. Steigen sie nun zur
Stegwiese hinauf, spazieren an einer Gruppe von Platanen vorbei in die Johannes-Stumpf-Straße. Am Zaun des kath. Kindergartens stehen hohe Robinien, und um die kreisrunde Kirche St. Theresia, wo
dieser Spaziergang endet, wächst ein Kreis von Linden.
– Ein anderer Spaziergang könnte an der Gleiwitzer Straße,
unter den Haselnussbäumen, beginnen. Gehen Sie dann nach rechts, zu dem Spielplatz mit dem Piratenschiff. An seinem Anfang wächst eine Stieleiche. Sie heißt so, weil ihre Früchte, die Eicheln, an
langen Stielen sitzen. Auf dem Damm hinter dem Spielplatz ragen riesige Schwarzpappeln aus dem Gehölz, in dem auch noch ein paar Kopfweiden stehen. Seit das Wasser der Strunde abgeleitet worden
ist, kränkeln sie wie die Pappeln, und einige sind schon abgestorben. Wenn sie weiter gehen, kommen sie an das Ende der Rybniker Straße. Etwas links davon, gleich am Fußwegs, steht ein Feldahorn.
Hinter ihm, neben einer kranken Schwarzpappel, führt ein Trampelpfad durch das Wäldchen ins „Paradies“. So heißt die Flur an der Rückseite von Haus Herl – Sie werden hier das Gefühl haben, „auf
dem Land“, ganz weit außerhalb der Stadt zu sein – bei dem alten Dorf, von dem wir Ihnen erzählt haben. (G.T.)
15. Einige Straßen und Wege, die bereits vor 1900 existierten.
Von Deutz führte spätestens seit dem Mittelalter eine Straße nach Wipperfürth.
Auf Grund neuzeitlicher Bebauungen wurde die Straße häufig unterbrochen oder umverlegt und die Teilstücke wurden umbenannt. Einige heutige Straßennamen in dem alten Verlauf sind: Gummersbacher Straße (Deutz) – Wippertürther Straße (Kalk) – Kopernikusstraße (Buchforst) – Alte Wipperfürther Straße (Gemeindestraße 56) – Wuppertaler Straße (bis 21.3.1967 Bestandteil der Alten Wipperfürther Straße) – [ und der Deutzgauweg, heute teilweise nur Gauweg heißt und einen teilweise anderen Straßenverlauf hatte. Er verlief von der Ecke zwischen Wichheimer Straße und Herler Ring in nordöstliche Richtung in Buchheim. In Holweide ist es die Chemnitzer Straße zwischen Zwickauer und Johan-Bensberg-Straße und weiter Isenburger Straße – Schweinheimer Straße – Iddelsfelder Straße. Dabringhauser Straße (Holweide, Dellbrück). Kemperbachstraße – An der Kemperwiese Richtung die Bergisch Gladbacher Straße / B 506 (Dellbrück). Der weitere Verlauf ist in Dellbrück die Paffrather Straße. In Hand führt dann die Handstraße und im weiteren Verlauf von Bergisch Gladbach die Alte Wipperfürther Straße und die Romaneyer Straße. In Odenthal heißt sie wieder Alte Wipperfürther Straße. In Kürten wird der Straßenverlauf zur Kölner Straße.
Der eigentliche Name war Wipperfürther Straße. Als in Mülheim am Rhein eine Straße vom Stadtzentrum
Richtung Wipperfürth gebaut wurde, musste die Buchheimer Wipperfürther Straße in Alte Wipperfürther Straße umbenannt werden. Die damalige Mülheimer Wipperfürther Straße verlief auf der heutigen
Trasse von Eulenbergstraße – Mündelstraße – Dellbrücker Straße. Sie wurde umbenannt, da es in Kalk auch eine Wipperfürther Straße gab und Dppelbezeichnungen damals in Cöln nicht zugelassen
waren.
Vom 23.6.1938 bis zum 24.4.1945 hieß in Buchheim die Alte Wipperfürther Straße, einschließlich der
heutigen Wuppertaler Straße, Braunauer Straße.
An der Alten Wipperfürther Straße sind noch einige ältere Gebäude aus der Vorkriegszeit. Insbesondere zählen hierzu die Schule 1869) und die römisch - katholische Mauritiuskirche mit Pfarrhaus, sowie einige Wohnhäuser auf der gegenüberliegenden Straßenseite.]
[Wipperfürth ist eine Stadt in Oberberg und wurde 1131 das erste Mal urkundlich erwähnt als Übergangsstelle des Handelsweges Köln nach Solingen über die Wipper. Wipperfürth gehörte wie Buchheim zum Herzogtum Berg und war Mitglied der Hanse. 1932 wurde der Kreis Wipperfürth und der Kreis Mülheim am Rhein zum Bergischen und später zum Rheinisch-Bergischen Kreis vereint. Der Sitz war in Köln – Mülheim.
Braunau liegt im Innviertel von Oberösterreich an der Grenze zu Bayern (Simbach) und ist die Geburtsstadt von Adolf Hitler.]
Die Frankfurter Straße führt über Altenkirchen nach Frankfurt am Main und entstand im Mittelalter zur Umgehung der zahlreichen Zollstätten am Rhein. Sie war eine Handels- und Heerstraße. Der heutige Verlauf ab der Heidelberger Straße Richtung Porz wurde erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begradigt.
Die Frankfurter Straße [ist ein Teil der Bundesstraße 8 und] führt [vom Wiener Platz (bis März 1938 Oskarplatz) im damaligen Buchheim und verlies es an der Kreuzung mit dem Höhenberger Ring. Weiter führte sie] über [Porz – Siegburg und] Altenkirchen nach Frankfurt am Main. [Als Bundesstraße 8 führte sie weiter über Würzburg - Nürnberg - Regensburg und bei Passau über die österreichische Grenze. Zwischen 1938 und 1945 führte die Reichsstraße 8 noch bis Wien und weiter über Hainburg nach Pressburg (heute Bratislava, Hauptstadt der Slowakei).
Die ältere Verbindung nach Frankfurt führte früher etwa über die Straßenzüge der heutigen Germaniastraße - Oranienstraße - Kuthstraße - Alter Deutzer Postweg. Sie war eine Verbindung der einzelnen Dörfer.]
Später wurde eine kürzere Verbindung benötigt und dies ist eine Gerade. Es war für den Handel wichtig, der zum Umgehen des Cölner Stapelrechtes eine schnelle Verbindung brauchte. Natürlich ist eine gerade Strecke auch für militärische Zwecke dienlich.
Sie führte früher den Namen Mülheim - Altenkirchener Provinzialstraße bzw. Frankfurter Heerstraße (1768 erbaut / 1784) oder Frankfurter Chaussee.
[1891 übernimmt die Stadt Mülheim die Unterhaltung für die Straße. Der heutige Name erfolgte auf Grund eines Beschlusses vom 29.10.1912.
Am Rand der Frankfurter Straße sind folgende Sehenswürdigkeiten zu finden: Platanen (Alte Wipperfürther / Guilleaumestraße), Wegekreuz (Arnsberger Straße), Stele für den Buchheimer Hof, ACLA - Werke (Heidelberger Straße) und eine Villa (Germaniastraße), sowie der Mülheimer Friedhof im heutigen Höhenberg.
Frankfurt am Main ist heute eine Großstadt und Bankenmetropole in Hessen.
Nach dem im 3. Jhd. der Einfluss der Römer nach lässt, beherrschen die Alemannen den Bereich. Um 500 siedeln sich die Franken an. Die Furt durch den Main begünstigt die Ansiedlung. 794 wird Franconvurd erwähnt. Im 12. Jhd. wird Frankfurt Stadt. Seit 1562 wurden in Frankfurt die deutschen Kaiser gekrönt. Während des Siebenjährigen Krieges (1759 - 1763) wird Frankfurt von den Franzosen besetzt. Später auch noch 1792, 1796, 1800 und 1806. 1749 wird Johann Wolfgang Goethe geboren, der später nach Weimar übersiedelt.
Mit dem Untergang des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" verliert Frankfurt seine Status als Reichsstadt und gehört zum Rheinbund. 1815 erhält Frankfurt den Status einer freien Stadt im Deutschen Bund. Der Bundestag hat seinen Sitz in Frankfurt. 1839 Eröffnung der Eisenbahn zwischen Frankfurt und Wiesbaden. Nach der Märzrevolution tagt in der Frankfurter Paulskirche das erste gesamtdeutsche Parlament und verabschiedet eine Verfassung, die nie in Kraft trat. 1866 kommt Frankfurt nach dem preußisch - österreichischen Krieg an Preußen. 1945 gehörte es zur US -amerikanische Besatzungszone (Hessen) und seit 1949 zur BR Deutschland.
Außerdem gibt es noch in Ostbrandenburg Frankfurt an der Oder.
Um 1226 gegründet. 1815 Sitz des preußischen Regierungsbezirkes. Seit 1945 wurde der westliche Teil der sowjetischen Besatzungszone zugeteilt und der östliche Teil kam an Polen. 1952 wurde Frankfurt / Oder Sitz des gleichnamigen DDR - Bezirkes. Seit 1990 gehört es zu Brandenburg.
Der heute polnische Teil heißt Slubice.]
Die Kirchgasse hat seit mindestens 1678 ihren Namen, da sie von dem alten Dorf Buchheim zur alten Pfarrkirche Sankt Mauritius Kirche [(vor 1160 erwähnt, 1583 erheblich beschädigt)] führt. [Vor 1913 war der Name Kirchweg. Wobei der Kirchweg etwa auch den Verlauf der heutigen Sonderburger und Lassallestraße hatte.]
Überreste der St. Mauritius Kirche stehen heute noch auf dem [alten römisch – katholischen] Friedhof an der Sonderburger Straße.
[Eine Benennung des Weges, der an
dem Eisenbahndamm zwischen Sonderburger und Kieler Straße entlangführt, in „Am alten Buchheimer Friedhof“ wurde von der Bezirksvertretung Mülheim abgelehnt.]
Die Herler Straße führte ursprünglich [als Herler Weg] von
Mülheim am Dorf Buchheim vorbei nach Haus Herl. Der Name wurde 1678 erstmalig erwähnt. Das Mülheimer Teilstück heißt heute Steinkopfstraße. Die Trennung erfolgte durch die neue Eisenbahntrasse,
als sich die Reichsbahn aus finanziellen Gründen weigerte, eine Brücke zu bauen. Der Stadt Mülheim war eine Beteiligung zu teuer.
[Der weitere Verlauf ist heute der Schützengildeweg. Nach 1931 wurde die Herler Straße vor den Straßenbahngleisen zur Äußeren
Ringstraße (Herler Ring) geführt.
Auf der rechten Straßenseite zwischen der heutigen Dombacher Straße und dem Elisabeth – Schäfer – Weg stand ein Altmännerheim, welches der Stiftung der Firma Van der Zypen & Charlier gehörte. Während der NS - Zeit war dies der Sitz der NSDAP - Ortsgruppe Buchheim.
Die die Vorortbahnhaltestelle am Herler Ring wurde 1958 auf die Haltestellen Wichheimer und Herler Straße
aufgeteilt.]
[Bedingt
durch den Bau der Stadtbahn wurde der Verlauf nochmals verändert und tiefer gelegt. Ebenfalls wurde der Faulbach vom Buchheimer Ring weggelegt, um den Bach unter der Straßenbahn und Herler Straße
durchzuführen. Es wurden höhere Kosten befürchtet, wenn der Faulbach über den Verkehrsstrecken liegt und abgedichtet werden müsste.
Die Kölner Stadtverwaltung hatte vorgehabt, die Herler Straße als Sackgasse an der Haltestelle der Stadtbahn enden zulassen. Dies wurde u. a. durch den Bürger- und Heimatverein Buchheim
verhindert.
Herl = Hernin = Hörnlin = Hirsch; oder Horl = Sumpf
Zwischen
Bergisch Gladbacher Straße - Ringstraße - Wichheimer Straße liegt der Bereich "In der Herlerwiese".
Das Gebiet zwischen Stadtautobahn, Frankfurter Straße, Strunde und Ringstraße hieß "Herleracker".
Früher führte der Herler Mühlenweg vom südlichen Buchheim (heute Höhenberg, Germaniasiedlung, überwiegend hüringische Straßennamen) zur Herler Mühle. Die ´Buchheimer Bauer belieferten über den Weg die Herler Mühle. Heute ist dies der Höhenberger und Bucheimer Ring.
Der Bereich um die Herler Burg gehörte früher zu Schweinheim und damit zu Merheim.
Eine ausführliche Beschreibung ist im „Kapitel 12 – Haus Herl, mit Mühle und Kapelle“ von Dr. Christian Eder ist in der Druckausgabe von 2018.
Im Hunsrück gibt es auch eine Gemeinde, die den Namen "Herl" trägt.]
[Der ursprüngliche Teil der Wichheimer Straße führte vom heutigen Herler Ring
an der Wichheimer Mühle vorbei durch die Gemarkung Wichheim und hieß bis 1865 Mühlenweg.
[Die Bedeutung ist
nicht ganz klar.
wig = wich = Ort oder Heilig
Ein Wichhaus war ein Kriegshaus oder es wurde von einer Person, die Wicherus hieß.
In der Schenkungsurkunde von Herl 1025 steht, dass dieses Gebiet einem verstorbenem Wicher gehört hatte.
Wichheim wurde 1068 (Domus Wichen) erstmalig erwähnt und erstreckte sich etwa von der Straße Am
Springborn bis zum Schützengildeweg östlich der Ringstraßen.
Der Teil zwischen Bergisch Gladbacher Straße und Herler Ring gehörte früher zur Militärringstraße. Sie war die Verbindung zwischen dem heutigen Mülheimer und Buchheimer Ring.
Der Teil östlich des Buchheimer Rings hieß früher Mühlenweg. Hier stand früher die Wichheimer Mühle, die inzwischen in ein Wohnkomplex umgebaut wurde.
Der Name wurde am o9.o4.1913 beschlossen.
Wichheim
gehörte früher zu Merheim und ist heute Teil von Buchheim und Holweide.
Die Gemarkung Wichheim – Schweinheim umfasst etwa die Gebiete Rybniker Straße – Herler Burg – Sportplatz Wuppertaler Straße – östlich Herler Ring – Bundesautobahn – Honschaftsstraße, (Am
Springborn) – Im Weidenbruch – östlich das Kalkweg – Wasserwerkstraße – Märchenstraße -Dellbrücker Mauspfad – südlich der Siedlung Hochwinkel – südlich der Siedlung Schlagbaum zum Schlagbaumsweg
und Bucheimer Ring.]
Straßen, die nach Personen benannt wurden, die in Buchheim
gelebt und / oder hier gewirkt haben. [6]
Die Dückergasse gibt es seit langer Zeit. Sie führt über das Anwesen von Peter Dücker.
[Sie wurde 1876 auf Karten erwähnt.
1901 wird sie an die Straßen- und Hausentwässerung angeschlossen.
In diesem Bereich floss früher die Strunde unter der Frankfurter Straße Richtung Mülheim.
Düker (niederdeutsch für tauchen, niederländisch
duiken = bücken, krümmen) bedeutet Leitung für Flüssigkeiten unter einem Weg oder Gewässer entlang.]
Caumannsstraße
Der römisch - katholische Pfarrer Johann Hubert Caumanns (geboren 27.o8.1825) war von 1852 - 1863 in Mülheim als Kaplan 1869 war Caumanns der Vorsitzende der Sankt Anna Bruderschaft und von 1887 bis 1904 war er als Pfarrer und Dechant tätig. Außerdem war er Ehrendomherr. In seiner Amtszeit nahm die Stadt Mülheim am Rhein einen gewaltigen Aufschwung und die Einwohnerzahl stieg ständig. In dieser Zeit war es Caumanns Aufgabe, die immer größer werdenden religiösen Bedürfnisse zu befriedigen. Er ließ neue Pfarreien und Rektorate gründen. Er trat für den Bau der Buchheimer Kirche ein. Am o4. Juni 1894 wurde durch ihn der Grundstein für die neue Sankt Mauritiuskirche gelegt. Am 27. Mai 1896 wurde sie durch den Weihbischof Schmitz feierlich eingeweiht. Anschließend wurde das Rektorat Buchheim eingerichtet. Caumanns verstarb am 24. Dezember 1904 im Alter von 79 Jahren.
Das Caumannsplätzchen an der Ecke zum Im Leimfeld diente früher als Feuerlöschteich und wurde erst viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg umgebaut. .
Früherer Straßenname: Mauritiusstraße. Der heutige Name wurde am 29.11.1923 beschlossen.
Elisabeth -Schäfer - Weg
Elisabeth Schäfer, geb. Kierdorf (o2.o2.1896 -
13.o1.1973) war 1945 Gründungsmitglied der CDU Buchheims [und aktiv in der römisch – katholischen Kirche]. Sie war im Kirchenvorstand und der Frauengemeinschaft. Für die CDU saß sie von 1946 –
1956 im Rat der Stadt Köln. Sie wurde für Ihren Einsatz auch "Mutter Buchheims" genannt. Ihr letzter Wohnsitz war in der Deutschordensstraße.
[Auf Beschluss vom 16.12.1975 erhielt der Weg seinen Namen.]
Göddestraße
Barthel Gödde (1871 – 1945) war Schreinermeister in
der Herler Straße und Stadtverordneter der Stadt Mülheim am Rhein (1901) und später auch Stadtverordneter in Köln (Begründer des Sportausschusses) sowie Vertreter des Turngaus Köln. Er wurde auch
der "Kölner Turnvater" genannt. 1927 setzte er sich dafür ein, dass das frühere Zwischenwerk XIa am Herler Ring einschließlich des anschließenden Geländes von Sport- und Turnverein genutzt werden
konnte.
1928
leitete er die 14. deutschen Turnfestspiele in Köln.
Für seine Verdienste wurde er Ehrenmitglied des Mülheimer
Turnverein von 1850. Die Geschäftsstelle des MTV (Turnerheim) wurde nach ihm benannt.
Guilleaumestraße
Die Industriellenfamilie Guilleaume baute einen der größten Industriebetriebe des Rheinlandes auf. Im Mülheimer „Carlswerke Felten & Guilleaume“ (F & G) arbeiteten sehr viele Buchheimer. An der Alten Wipperfürther und Herler Straße, [sowie Im Leimfeld] standen bis vor wenigen Jahren noch Häuser für die Mitarbeiter von F & G. [Die Häuser wurden von der GAG und 2009 abgerissen.
Familienmitglieder:
Der Solinger Notars Christoph Guilleaume (1741 – 1804) heiratete Theresia Bock.
Aus dieser Ehe stammt Franz Carl Guilleaume (der Ältere). Er wurde 1789 geboren und wurde Chemiker und Apotheker. Nach der Hochzeit mit Christina Felten, der Tochter von Johann Theodor Felten (Seilermeister in Cöln, gestorben 1827) und dem Tod von Feltens Sohn Adolf trat er 1820 in das Geschäft seines Schwiegervaters ein. Seit 1823 führte die Firma den Namen Felten & Guilleaume. Er verstarb 1837.
Sein Sohn Johann Theodor Guilleaume (1812 - 1879)
betrieb die Umstellung von Hand- auf Maschinenarbeit und war Kommerzienrat. Während der ersten Ehe mit Wilhelmine Dahmen wurde
Franz Carl Guilleaume (der Jüngere) 1834 geboren.
In der zweiten Ehe mit Henriette Büttgen kam Franz Johann zur Welt.
Franz Carl Guilleaume heiratete 1859 Antoinette Gründgens. Das Ehepaar hatte drei Söhne und zwei Töchter.
Franz Carl Guilleaume (der Jüngere) wurde 1860
Teilinhaber in der Firma und 1865 Alleininhaber der Firma Felten
& Guilleaume.
!874 gründete er das Carlswerk in Mülheim am Rhein. Er starb 1887.
Sein Sohn Theodor führte die Firma weiter.
1896 wurde eine Werftanlage in Mülheim am Rhein erworben und ausgebaut.
Emil(e) Guilleaume, Vetter von Carl, General - Direktor, Mitglied des Stadtverordneten - Kollegiums 1.1.1887
1899 vermachte Kommerzienrat Theodor von Guilleaume 20.000 Mark zur „Bestreitung einer Freistelle im städtischen Krankenhause“. Hierauf entstand die "Stiftung Theodor von Guilleaume". Er war Stadtverordneter vom 1.1.1893 bis 30.4.1900 und Kreistagsabgeordneter von 1894 bis 1900. Beide Funktionen konnten durch den Wegzug aus Mülheim nicht mehr wahrgenommen werden.
Seit 1902 ist F & G eine AG.
Als der Mehrheitsbesitzer ARBED 35 % des Aktienkapitals verkaufte, änderten sich die Verhältnisse der Aktienbesitzer. Verluste führten zu weiteren Veränderungen. Der Standort in Köln – Mülheim
wurden aufgegeben. Verschieden Umstrukturierungen fanden statt bis 2004 Felten & Guilleaume AG mit der Moeller - Gruppe vollständig vereint wurde.
Einige Standorte der Firma Felten & Guilleaume:
Cöln (Altstadt-Nord /-Süd), Mülheim am Rhein, Wien und Budapest.
Einige Produkte der Firma Felten & Guilleaume:
Seile (geflochtene Naturfasern), Drahtseile, Telegrafenadern, Fahrdrähte, Freileitungsseile, Starkstromkabel, Hochspannungskabel, Telefonkabel und -apparate, Seekabel, Tragseile, Druckkabel, Pupinspule, Schutzschalter, Gasaußendruckkabel, Ölkabel und Kabelgarnituren.
Einige Bauwerke mit Erzeugnissen von F & G:
Aus der Kapelle, die auf dem Werksgelände von F &
G stand, sind einige Werke in der römisch – katholischen Johann Baptist Kirche in Köln – Höhenhaus verwendet worden.
Beim Bau der 1929 erbauten Mülheimer Brücke und 1941bei der Rodenkirchener Autobahnbrücke sind F&G Tragseile verwendet worden.
Zur Bundesgartenschau 1957 wurde die Rheinseilbahn vom Zoo zum Rheinpark in Köln - Deutz mit F & G Stahlseilen hergestellt.
Im Jahre 1902 wurde im Bebauungsplan u. a. die Anlegung der Straße beschlossen.
Am Ende zur Caumannsstraße ist eine kleine Grünanlage, die auch Guilleaumeplätzchen genannt wird. Diese Grünanlage war früher ein Feuerlöschteich für die Kirche und die umliegenden Häuser.
Das erste Teilstück hieß früher Möschekämpchesweg. Dieses Teilstück ist der Rest von der Straße, die zur heutigen Montanusstraße führte. Die Verbindung wurde durch den Bau der Eisenbahn unterbrochen.]
Hermann - Kunz - Straße
Hermann Kunz (1830 – 1913) Inhaber der früheren Fabrik Stöcker & Kunz, die feuerfester Erzeugnisse herstellte. Die Firma erstreckte sich über den Siedlungsbereich bis zur Dellbrücker Straße / Ackerstraße. [Die Firma hatte eine eigene Betriebskrankenkasse.
Hermann Kunz wurde am 16.o9.1830 in Wilnsdorf im Kreis Siegen - Wittgenstein geboren und] war in Mülheim als Industrieller am wirtschaftlichen Aufschwung beteiligt. Er Unterstütze den Bau der evangelischen Luther Kirche [und den des evangelischen Krankenhauses. Er starb am 29.6.1913. Die Grabstelle von ihm und seiner Frau Bertha geb. Seidensticker aus Borgeln / Kreis Soest ist auf dem evangelischen Friedhof Mülheim, Bergisch Gladbacher Straße.
Die Straße erhielt auf Grund eines Beschlusses vom 16.10.1956 ihren Namen.]
Johannes - Stumpf - Straße
Johannes Stumpf wurde am o6.o4 1862 [in Mülheim am
Rhein] geboren und lebte in Wichheim, wo sein Vater einen Mühlenbaubetrieb [im Mühlenweg (heute Wichheimer Straße 287 - inzwischen stehen hier Wohnhäuser)] hatte. Er lehrte [von 1896 bis
1930] als Professor an der Technischen [Hochschule Charlottenburg (seit 1920] Berlin). [Als Maschinenbauingenieur] entwickelte die Gleichstromdampfmaschine [weiter und verhalf ihr zum
Durchbruch, insbesondere beim Schiffbau und bei Lokomobile (bewegliche Dampfmaschinenanlage).
Stumpf war seit 1889 Mitglied des Verbandes Deutscher Ingenieure (VDI) und ab 1908 in der Schiffbautechnischen Gesellschaft. Die Technische Hochschule Aachen verlieh ihm 1920 den Grad eines
Doktoringenieurs ehrenhalber.1926 wurde er ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.
Er war Ehrenbürger der TH Berlin und starb am 18.11.1936 in Berlin. Beerdigt wurde er am 25.11.1936 auf dem alten römisch – katholischen Friedhof an der Sonderburger Straße in Köln – Mülheim.
Seine Ehefrau Johanna wurde zehn Jahre später auch hier beerdigt.]
Modemannstraße
Heinrich Modemann (*25.2.1845 + 26.o2.1928), Sohn des Schreinermeisters Heinrich Joseph Modemann (+ 1877), war seit 1866 Lehrer an der Volksschule in Buchheim. 1874 wurde er zum Hauptlehrer (Rektor) für den Knaben- und Mädchenbereich berufen. Er war von 1875 - 1889 Chorleiter vom Männer Gesangs Verein 1865 Eintracht Buchheim. [In der Zeit als er im Gesellenverein tätig war, wurde 1893 das erste Gesellenhaus inbetriebgenommen.] 1919 geht er [mit 74 Jahren] in Ruhestand. Sein Sohn Matthias wurde Bildhauer und schuf die Pieta der Mauritiuskirche.
[Weitere Söhne waren Gottfried und Herbert.
Der Name wurde am o7.4.1970 beschlossen.
An der Modemannstraße 25 befindet sich das Erich – Gutenberg – Berufskolleg.]
Steeger Straße und Stegwiese
Otto van dem Stege war Zöllner zwischen 1476 und 1482
und Besitzer der Stegwiese, die 1481 gegen ein anderes Grundstück mit dem Dünnwalder Klosterhof getauscht wurde.
Tillman Steeg war im 17. Jh. ein bedeutender Grundbesitzer in Mülheim.
Alte Flurbezeichnung: Steeger Wiesen. Die Bezeichnung Steeger Weg erscheint bereits 1678. In dieser Zeit gab es auch mehrere Familien mit dem Namen Steg in Mülheim – Buchheim.
Stegwiese und Steeger Straße befinden sich beide in der Nähe des damals noch offenen Verlaufes des Faulbaches. Der Bereich zwischen Dellbrücker - Wuppertaler - Wichheimer und Bergisch Gladbacher Straße hieß „Stegwiese“ (1678 Steeger Wiesen).
In Steg ist ein schmaler Fußweg oder kleine leichte Brücke für Fußgänger.
Im Jahre 1902 wurde im Bebauungsplan u. a. die Anlegung der Straße beschlossen.
16. Anfänge der Schienenwege
Die erste Eisenbahn in unserer Gegend, die Cöln – Mindener (später Köln – Mindener) Linie (CME) wurde, wie fast alle früheren Strecken, von einer AG gebaut und 1845 eröffnet. Sie führte durch Mülheim und hatte ihren Bahnhof in Höhe der heutigen Stadtbahnhaltestelle Wiener Platz von 1866 an. Von 1868 führt die Eisenbahnstrecke von Deutz über Mülheim am Rhein – Opladen und Solingen zur Bahnstation Gruiten an der Düssel (seit 1975 zur Gemeinde Haan) durch die Bergisch - Märkische Eisenbahngesellschaft (BME). Dort besteht bereits seit 1838 die Verbindung von Düsseldorf nach Elberfeld (heute Wuppertal). Diese Strecke wurde durch die, 1835 gegründete Düsseldorf – Elberfelder Eisenbahn - Gesellschaft betrieben.
Nach Planungen aus dem Jahre 1863 wurde am o1.12.1868 von der BME die Strecke von Mülheim a. Rhein nach (Bergisch ) Gladbach [das Gretchen] eröffnet und in den folgenden Jahren immer wieder verlängert bis sie schließlich bis nach Lindlar führte. Eine geplante Weiterführung nach Wipperfürth wurde nicht ausgeführt.
Im Jahr 1874 wurde die Strecke Speldorf (heute zu Mülheim a. d. Ruhr) – Düsseldorf-Eller – Opladen (heute zu Leverkusen) – Mülheim am Rhein - Troisdorf – Oberkassel (heute Bonn) - Neuwied - Niederlahnstein durch die Rheinische Eisenbahn Gesellschaft (RhE) entlang des Parallelweges (heute Ackerstraße) in Betrieb genommen. Bahnschranken gab es an der (Bergisch) Gladbacher, Dellbrücker und Frankfurter Straße. Seit 1886 wurde die Strecke nur noch für den Güterverkehr genutzt.
Da Mülheim immer größer wurde, musste die 1848 eröffnete Strecke der Cöln - Mindener Eisenbahnstrecke aus der auch hochwassergefährdeten Strecke in Mülheim am Rhein Richtung Buchheim, verlegt werden. Hierbei wurde die Eisenbahntrasse neben die bereits bestehende Güterzugstrecke auf einen Damm höher gelegt. In diesem Zusammenhang wurde der Bahnhof Mülheim am Rhein (- Buchheim) in Betrieb genommen.
Die Eisenbahnverwaltung macht 1891 den Vorschlag, den neuen Bahnhof an der Montanusstraße in „Mülheim a. Rh. – Buchheim“ zu benennen. Dies
wurde von der städtischen Verwaltung Mülheim abgelehnt. In dem Bericht der Verwaltung Kapitel I Allgemeines steht: „Das Verkehrswesen hat eine bedeutende Verbesserung erfahren.“ Und weiter: „Am
30. Juni 1909, nach Abfahrt des letzten Zuges, wurde der alte Bahnhof Mülheim für den Personen=, Gepäck= und Expressgutverkehr geschlossen und für diesen Verkehr der an der Frankfurterstraße
gelegene neue Bahnhof eröffnet. Damit ist einem längst hervorgetretenen Verkehrsbedürfnisse Rechnung getragen, nicht allein in Bezug auf den Reise= und Güterverkehr, sondern vor allem in Hinblick
auf den Straßenverkehr; bildete doch die früher das Weichbild der Stadt durchziehende Bahnlinie, welche fast alle Hauptstraßen kreuzte, ein äußerst unangenehmes Verkehrshindernis.“
IX. Verkehrswesen 1. Staatseisenbahn: „Die im vorigen Bericht beschriebenen Arbeiten zur Verlegung der Staatsbahn, wurden im Jahre 1909 nach sechsjähriger Dauer beendigt und am 1. Juli 1909
konnte der neue Personenbahnhof an der Montanusstraße dem Verkehr übergeben werden. Vor dem Empfangsgebäude ist durch Erweiterung der Montanusstraße … ein Platz entstanden. Die vorhandenen Bäume
… und die Baumgruppen auf dem Gartengrundstück des alten Rheinischen Bahnhofs wurden möglichst erhalten, sodass die Gegend beim Empfangsgebäude das Gepräge einer fertigen Anlage
erhielt.
Die Genehmigung für den Bau einer Kleinbahn von Mülheim über die (Bergisch) Gladbacher
Straße nach Bergisch Gladbach und weiter nach Herrenstrunden erfolgte 1897.
Die Stadt Köln beantragt 1901 bei der preußischen Regierung die Anlage einer Kleinbahn von Cöln über Buchheim nach Thielenbruch.
Durch den Bau, der durch die Verlegung der Staatseisenbahn seit 1903 erforderlich wurde, werden die Straßenunterführungen (Bergisch) Gladbacher Straße, Frankfurter Straße, Luisenstraße (heute Sonderburger Straße) und Weißenburger Straße (heute Heidelberger Straße) begonnen. Die Unterführung der Herler Straße (auf Mülheimer Seite heute Steinkopfstraße) wird wegen der hohen Kosten von 500.000 Mark abgelehnt.
Im gleichen Jahr wird die Straßenbahnstrecke (Mülheimer) Freiheitsstraße - Danzierstraße – (Bergisch) Gladbacher Straße durch die
Mülheimer Kleinbahn (MKB) eröffnet. Vorarbeiten für die Straßenbahnstrecken Mülheim, bzw. Cöln - Deutz - Buchheim nach (Bergisch) Gladbach beginnen.
Am 12. Dezember 1906 wurde die Kleinbahn Mülheim auf der Strecke von der Wichheimer Straße über die Bergisch Gladbacher Straße nach Holweide
(Linie D - grün/weiß) eröffnet und die der Strecke Cöln (Dom / Hauptbahnhof) - Buchheimer Weg - Weißenburger Straße (vormals Deutz -
Buchheimer Weg, heute Karlsruher / Heidelberger Straße) - Buchheim, Frankfurter Straße (Buchheimer Hof) - Ringstraße
- Holweide - Dellbrück – Bergisch Gladbach (Linie C - gelb/weiß) und anschließender Elektrifizierung. Beide Strecken waren eingleisig
Am 1. Mai 1909 wird die Kleinbahnstrecke Mülheim - Buchheim - Höhenberg durch die MKB eröffnet.
Die Vorortstrecke von Köln nach Bergisch Gladbach ist
die meistbenutzte Vorortstrecke und wird 1927 im Bereich Buchheim – Holweide zweigleisig ausgebaut. Änderungen der Bezeichnungen der Vorortlinien am 16.10.1933:
Linie G von Köln, Heumarkt, über Buchforst - Buchheim nach Bergisch Gladbach,
Linie T von Köln, Adolf - Hitler-Platz (Ebertplatz) über Mülheimer Brücke weiter die Bergisch Gladbacher Straße nach Thielenbruch
(sonntags bis Bergisch Gladbach).
Auf Grund der Kriegseinwirkungen wird im März 1945 der
Straßenbahnbetrieb eingestellt. Kurz darauf wird der Streckenverkehr in Teilabschnitten von Thielenbruch aus in Betrieb genommen. Etwa ein Jahr später war die Strecke von Deutz über Buchheim bis
Bergisch Gladbach befahrbar.
Heute fährt die Linie 3 die Strecke bis Thielenbruch.
Noch einige Bilder zum Abschluss
Quellen - Anmerkungen - weiterführende Literatur
[1] Bericht über die Verwaltung und den Stand der Gemeindeangelegenheiten der Stadt Mülheim am Rhein von 1901 – 1906 (7)
[2] - Festschrift 100 Jahre - 1965
[3] - 125 Jahre Grundschule Köln - Buchheim 1869 - 1994
[4] - - Festschtift 150 Jahre Schulstandort Alte Wipperfürther Straße - Wir feiern!
[5] Große Brockhaus, 10. Band K, 1931, S. 820 / 821 - Karte176b oben
[6] Stadt Köln, - 235 – 1,
Straßenbenennungen und Sonderprojekte,
Amt für Liegenschaften, Vermessung und Kataster, u. a.
Herr Wolfgang Buchholz
[7] Wir danken der Stadt Köln für die kostenlose Zurverfügungstellung der Pläne und
Karten. „Datenquelle: Stadt Köln – offenedaten-koeln.de” und
„Datenquelle:
Stadt Köln CC BY 3.0“
Impressum:
Geschichtswerkstatt Buchheim
Köln
Dr. Eder, Christian, Koßmann, Hans – Joachim, Pröhl, Günter, Dr. Tröger, Gert
Druck mit finanzieller Unterstützung der Bezirksvertretung Mülheim, den Inserenten und der Verfasser.
2018
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